Tagungsberichte

Silvestertagung 2013/2014 – 4. Tag

By 3. Januar 2014 August 5th, 2018 No Comments

Liebes Tagebuch!

Heute ist der zweite Januar 2014, der fünfte Tag der 46. Silvesterwerkwoche vom Quickborn. Meine gestrige Idee, einfach mal früh schlafen zu gehen, hatte sich ja nicht so erfüllt. Das Gesellschaftsspiel im Barockzimmer war einfach zu spannend. Deshalb musste ich mich heut Morgen mühsam unter die Dusche schleppen. (Ich meine immer noch, dass dem Erfinder der Dusche der Friedensnobelpreis gebührte – sie macht mich meistens erträglich.) Jedenfalls kam ich pünktlich zum Frühstück in den Speisesaal um festzustellen, dass ich fast allein da war. Ja ja – das Schlafdefizit hat nicht nur mich gepackt. Ich fand aber schnell nette neue Tischgenossen…

Das Impulsreferat von Wolfgang Müller am Vormittag hatte es dann in sich! Perlen der Erkenntnis:

–        Es ist erstaunlich, wie sehr die Ursprungssvision von Kirche von den Strukturen unserer Kirche überlagert wurde

–        Ob Sitzauflagen auf Kirchenbänken rot oder braun sein sollen, wurde in der Vision nicht überliefert

–        Jesus hat Abendmahl und keine Frühmesse gestiftet

–        Man kann durchaus ein totes Pferd reiten, darf sich dann nicht wundern, wenn sich nix bewegt

–        aufsuchende Pastoral ist anstrengend, lohnt sich aber (ein Campingzelt hilft ungemein)

–        in der Jugendpastoral machen Sofas für die Gemütlichkeit und Stofftiere als Eisbrecher durchaus Sinn (die Form folgt der Funktion => Bauhaus => Burgkapelle => Quickborn)

 

In meiner moderierten Gesprächsgruppe kam es fix zum regen Austausch darüber, wie wir uns lebendige Gemeinde der Zukunft so vorstellen. Wir haben leidenschaftlich Ideen ausgetauscht. Es ist viel Herzblut auf der Burg in diesen Tagen. Für so´n christlichen Verband ja eine ganz feine Diagnose…

Ob es an der heißen Diskussion beim Jugendgesprächskreis lag, weiß ich nicht – die Referenten haben da heute mitgemacht -, jedenfalls kam ein Jugendlicher in kurzen Hosen und T-Shirt zum Mittagessen. So heiß konnte die Suppe gar nicht sein, dass ich auf solche Ideen gekommen wäre. Heute war´s eher schmuddelig kalt.

Ich habe in diesem Jahr mein Faible für frische Waffeln mit heißen Kirschen und Sahne wieder entdeckt. Ein Knaller, was da zum frühen Nachmittag im Amtshaus geboten wird. Es ist bemerkenswert, wie viele Leute sich hier auf der Tagung rundherum engagieren. Sehr selbstverständlich vor und hinter den Kulissen.

Nebenbei haben Jugendliche den heutigen Gottesdienst vorbereitet. Es kommt mir so vor, als wären dies Jahr sehr viele junge Menschen auf der Burg. Auch nicht schlecht für einen christlichen Verband. Verband ist ein gutes Stichwort – ich bin für einige Gesellschaftsspiele offenkundig ungeeignet. Einige Blessuren an Armen und Händen zeugen von hochmotivierten Mitspielern. Zu finden sind sie dies Jahr reichlich im Westpalas. (Warum ich dann auch noch beim Tischtennis umknicken muss, bleibt mir unverständlich.)

Ein Nickerchen im Kreativblock I hat mich danach aber gut getan und ich konnte erfrischt am Gottesdienst teilnehmen. Es waren viele Jugendliche beteiligt. Thematisch ging es um die Freiheit. Gar nicht so einfach – zur Lesung wählten sie das Aufbegehren von Gottes Volk gegen Moses mit der Klage, dass man es an den Fleischtöpfen Ägyptens doch besser als in der Wüste gehabt hätte. An welchen inneren Grenzen manchmal Freiheit scheitern kann…

Witzig war die Aktion, alles was mich eingrenzt auf Papierflieger zu schreiben und in den Burghof loszulassen. Eine sehr schöne Jugendliturgie war das. Von der Musik mal ganz zu schweigen. Träumchen!

Nach einem geselligen Abendessen hab ich im Kreativblock II zum ersten Mal PowerPoint-Karaoke gespielt. Dabei geht es darum, Computerpräsentationen zu völlig fremden Themen zu kommentieren und einem belustigten Publikum unterhaltsam näher zu bringen. Spontaneität ist alles. Tränen gelacht hab ich beim kreativen Vortrag zur „Backfischliteratur nach 1945“.

Flugs weiter ging´s danach zum Abendplenum mit Wolfgang Müller. Perlen der Erkenntnis:

–        Woran erkennt man, dass ein Pferd tot ist? – Wenn´s nicht mehr von alleine läuft.

–        Belonging ist believing

–        Hier und heute ist Gottes Zeit (Sagt das Konzil – es soll wohl Recht haben)

–        „We love them“ – sollte die Devise sein, auch wenn man sich auf Neue und Neues in Kirche einlassen will. Es heißt ja nicht „ertrage deinen Nächsten…“

Anschließend entspannt zur Meditation in die Kapelle. Heute im tristen Grau des Tages mit dem bunten Geschichtchen vom Farben-sammelnden Frederik, der im Winter seinen Mitmäusen vom Sommer erzählt. Ich will nicht wissen, wie lange das Vorbereitungsteam an den bunten Wollbändern gearbeitet hat, die die geschätzt 200 Leute danach mitnehmen konnten.

Liebes Tagebuch, ich werde mich jetzt noch in den Fahrradkeller begeben – falls ich unfallfrei an den spielenden Leuten auf meinem Flur vorbeikomme… Ich will mal sehen, ob ich heute vielleicht etwas früher ins Bett komme. In jedem Fall brauch ich morgen wieder eine Dusche vorm Frühstück.

Ich melde mich dann mal wieder.

Beste Grüße

Jan Aleff

 

 

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