"Dies uralt Haus auf Felsengrund …". Rothenfels am Main: Geschichte und Gestalt einer unterfränkischen Burg.

 

Vorwort

Am Ostrand des Spessarts, im Mainviereck zwischen Lohr und Wertheim, liegt Rothenfels, die kleinste Stadt Bayerns. Der Ort verdankt seine Entstehung der gleichnamigen Burg, in deren Schutz er sich auf einem schmalen Landstreifen zwischen Fluss und Felsen duckt. Auf steilem Hang über dem Maintal erhebt sich diese noch immer imposante Burg – einst eine mächtige, abweisende Festung, heute ein aus der Ferne eher malerisch wirkendes Ensemble von Türmen und Häusern mit gastfreundlich geöffneten Toren. Bei näherem Hinsehen erweist sich die weitläufige Anlage als eine der ältesten und größten noch aufrecht stehenden Burgen nicht nur in Unterfranken, sondern in ganz Süddeutschland. Und: Rothenfels zählt zu den wenigen noch bewohnten deutschen Burgen des Mittelalters. Im Lauf der Jahrhunderte hat sie freilich nicht nur mehrfachen Bedeutungswandel, sondern auch tiefgreifende bauliche Veränderungen erfahren.

Im Jahr 1150 gegründet als Sitz der fränkischen edelfreien Familie von Grumbach, kommt Rothenfels sogleich überregionale Bedeutung zu. Die Grumbacher sind Parteigänger der staufischen Könige, ihre Burg wird somit auch zu einem Stützpunkt der Reichsherrschaft in Franken. Entsprechend stark ist die bauliche Auslegung der noch immer gut erkennbaren romanischen Kernburg. Nach einem Zwischenspiel als Besitz der mächtigen Grafen von Rieneck gelangt die Burg mit dem zugehörigen Amt 1342 an das Fürstbistum Würzburg, bei dem sie trotz zahlreicher Verpfändungen als Verwaltungs- und Gerichtssitz bis Ende 1802 verbleibt. Die Landesherren lassen im 16. Jahrhundert weiträumige spätgotische Wohn- und Wirtschaftsgebäude und schließlich eine repräsentative barocke Kellerei errichten.

Bei der Auflösung der geistlichen Staaten kommt Rothenfels an das Fürstliche Haus Löwenstein-Wertheim-Rosenberg. Die Burg bleibt zunächst Sitz eines Herrschaftsgerichts, sinkt jedoch in die Bedeutungslosigkeit. Das 19. Jahrhundert ist die Zeit ihres Niederganges.

1919 zieht mit dem katholischen Jugendbund Quickborn neues Leben in die alten Mauern ein. Bemerkenswert ist in den Folgejahren der Ausbau der Burg zu einem Zentrum der Jugendbewegung, zur Jugendherberge und freien Tagungs-stätte. In radikaler Abwendung von historisierender Burgen-romantik entstehen hier schlichte, funktionale Räume zum Wohnen, Arbeiten und Feiern wechselnder „Burggemeinden“. Rechtsträger des Hauses ist bis heute die deutschlandweit verbreitete Vereinigung der Freunde von Burg Rothenfels.

1939 vom nationalsozialistischen Staat enteignet, wird die Burg erst 1950 an den Verein zurückgegeben. Heute ist Rothenfels eine unabhängige Stätte außerschulischer, musischer, theologischer und politischer Jugend- und Erwachsenenbildung.

Eine seit Jahrzehnten noch andauernde Sanierung der Gebäude dient der Erhaltung des Kultur-denkmals und der Modernisierung für seine neuen Zwecke.

Die historische und bauliche Entwicklung der Burg wird in diesem Buch nachgezeichnet, eingeordnet in die Ereignisse der mainfränkischen Geschichte, abgesichert mit Urkunden- und Aktenmaterial und gestützt auf eine Analyse des Baubefundes. Viele Quellen werden hier zum ersten Mal überhaupt ausgewertet, andere neu und quer zur bisherigen Forschung interpretiert. Es bleiben unvermeidliche Lücken – für die mittelalterliche Geschichte gibt es kaum schriftliche Quellen, ab dem 16. Jahrhundert fließen diese reichlicher, für die neuere Zeit gebietet sich angesichts der anschwellenden Aktenmassen die Beschränkung auf die großen Linien. Planzeichnungen, historische und aktuelle Abbildungen und Fotografien sollen das Bild abrunden.

Das Buch hält so einiges Material für den landes- und burgengeschichtlichen Diskurs bereit. Vor allem will es den alten und neuen Freundinnen und Freunden der Burg Rothenfels, den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt und des Umlandes und allen, die auf Entdeckungsreisen durch das unterfränkische Maintal kommen, die mehr als 860 Jahre Geschichte und Baugeschichte dieses Ortes erschließen.


Winfried Mogge

 

Bestellhinweise:

Winfried Mogge
„Dies uralt Haus auf Felsengrund…“, Rothenfels am Main: Geschichte und Gestalt einer unterfränkischen Burg
Verlag Königshausen und Neumann
ISBN 978-3-8260-4989-7
Preis: 38,00 €

 

 

Bestellungen sind bspw. über die Burgbuchhandlung Rothenfels bei Frau Martina Oetting möglich (Tel. 09393 / 30 99 89 3; E-Mail: burgbuchhandlung@burg-rothenfels.de ).