Schwerpunkte des Quickborn-Arbeitskreises

Tradition bewahren – Gegenwart gestalten – Zukunft denken

Der Quickborn-Arbeitskreis steht für ein Christsein, das sich kritisch mit der jeweiligen Zeit auseinandersetzt. Unsere Arbeit speist sich aus den Wurzeln der Jugendbewegung und der Burg Rothenfels, richtet den Blick aber fest auf die Herausforderungen von heute. Was uns antreibt, ist der Wunsch nach einem authentischen Leben, gesellschaftlicher Verantwortung und einer lebendigen Kirche.

Aktuelle Themenfelder

Unsere inhaltliche Arbeit gliedert sich heute in drei große Bereiche, die Generationen und Lebenswelten verbinden:

1. Verantwortung für uns und die Gesellschaft

Wir engagieren aus unserer eigenen politischen Tradition heraus für Gerechtigkeit und Frieden. Als aktiver Mitgliedsverband im BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) beteiligen wir uns aktiv an Aktionen des BDKJ.

  • Friedensethik: In der Tradition unserer pazifistischen Vorreiter (wie Max Joseph Metzger) suchen wir Antworten auf heutige Konflikte.
  • Gerechtigkeit: Wir setzen uns für den Fairen Handel, Klimagerechtigkeit und kritischen Konsum ein.
  • Gesellschaftlicher Diskurs: Wir beziehen Stellung gegen Populismus und analysieren die Macht der Medien („Medien Macht Meinung“).
  • Aufarbeitung: Wir unterstützen aktiv die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt.

2. Lebenswelten heute und morgen

Wie wollen wir leben? Diese Frage der frühen Jugendbewegung stellen wir uns heute neu.

  • Gesund und anders: Von alten Denkmustern zu neuen Lebensstilen.
  • Entschleunigung: Gegenpol zur Beschleunigungsgesellschaft.
  • Arbeitswelt: „Leben wir, um zu arbeiten, oder arbeiten wir, um zu leben?“
  • Digitale Revolution: Welche Folgen hat die Digitalisierung für unser Leben, Arbeiten und Glauben?

3. Kirche, Glaube & Schöpfung

Wir suchen nach einer Spiritualität, die trägt – intellektuell redlich und im Herzen verankert.

  • Kirche – Quo Vadis: Wir diskutieren Reformen, die Rolle der Frau in Kirche und Gesellschaft sowie die Zukunft der Ökumene.
  • Glaube & Wissen: Das Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Ethik in der Medizin und Religion („Ist unser Glaube wahr?“).
  • Bewahrung der Schöpfung: Ökologie ist für uns kein Modewort, sondern seit Jahrzehnten gelebte Praxis im Umgang mit Natur und Ernährung.
  • Hoffnung: Was trägt und zählt wirklich – gerade in Krisenzeiten?

Unsere Wurzeln: Woher wir kommen

Die aktuellen Themen sind keine Zufallsprodukte. Sie sind die Weiterführung einer fast hundertjährigen Geschichte des Quickborn, in der wir immer wieder Pionierarbeit geleistet haben.

Frieden und Versöhnung

Schon nach dem Ersten Weltkrieg engagierten sich Quickborner wie Max Joseph Metzger und Franz Stock für die Aussöhnung mit Frankreich und Polen – oft gegen den Zeitgeist. Diese Tradition des Brückenbauens setzte sich im Kalten Krieg fort: Der Quickborn pflegte als einer der wenigen Verbände intensivste Ost-West-Kontakte, organisierte Treffen trotz Eiserner Vorhänge und hielt die Verbindung zu Gruppen in der DDR. Diese historische Erfahrung prägt unsere heutige Friedensethik.

Politische Wachheit

Der Quickborn wollte sich nie parteipolitisch vereinnahmen lassen, forderte aber stets politisches Urteil und Gewissen. Quickborner waren im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv und gestalteten nach 1945 das demokratische Deutschland mit. Diese Haltung führen wir fort, indem wir uns heute kritisch mit Populismus und Wirtschaftsethik auseinandersetzen.

Liturgische Erneuerung & Ökumene

„Die Kirche erwacht in den Seelen“ (Romano Guardini, 1922). Auf Burg Rothenfels wurde vieles erprobt, was später im Zweiten Vatikanischen Konzil Weltgeltung erlangte: die Gemeinschaftsmesse, die deutsche Sprache im Gottesdienst, das Priestertum aller Gläubigen. Heute leben wir diese Offenheit weiter, etwa durch praktizierte eucharistische Gastfreundschaft und den intensiven Dialog über die Einheit der Christen.

Anders leben & Ganzheitlichkeit

Ob Wandervogel-Tradition oder moderne Konsumkritik: Der Wunsch, „anders“ zu leben, ist eine Konstante. Früher war es die Abstinenz und die einfache Kleidung, heute ist es der bewusste Umgang mit Ressourcen, Ernährung und der digitalen Welt. Das Musisch-Kreative – das Singen, das Theaterspiel, der Instrumentenbau – bleibt dabei ein wesentlicher Ausdruck unserer Lebensfreude.

Burg Rothenfels – Unser Ort

Seit 1919 ist die Burg Rothenfels am Main unser geistiges und geografisches Zentrum. Sie ist ein „Ort der Freiheit“ (Walter Dirks), geprägt durch die Architektur von Rudolf Schwarz und den Geist Romano Guardinis. Hier finden unsere Tagungen statt, hier wird Gemeinschaft über Generationen hinweg erlebbar.

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