Der Quickborn-Arbeitskreis

Dieser Text informiert über die Bundestagungen des Quickborn-Arbeitskreises  wie z.B. die Silvesterwerkwoche, Tagungen für Jugendliche, junge Erwachsene und Familien, Ost-West-Kreis etc., die Bundeszeitschrift „Burgzeitung“,  den Einsatz des Quickborn-Arbeitskreises für das Begegnungszentrum Burg Rothenfels und skizziert Grundsätzliches zum Leben und Arbeiten des Kreises.

Die Silvestertagung auf Burg Rothenfels spielt für den Quickborn Arbeitskreis eine zentrale und tragende Rolle. Über 280 Teilnehmer, Kinder, Jugendliche, Familien, Erwachsene und Hochbetagte treffen sich für eine Woche um gemeinsam über ein religiöses oder gesellschaftspolitisches Thema zu diskutieren, sich zu bilden, sich gegenseitig zu fördern und zu unterhalten, Gottesdienste und Feste zu feiern, zu beten, zusammen über die Schwelle eines neuen Jahres zu treten. Viele kennen sich, viele Neue kommen jedes Jahr hinzu und erleben die Kraft der Gemeinschaft und den liebenswürdigen Umgang zwischen den Generationen.

Die thematische Arbeit erhält ihren Anstoß durch meist externe Referenten, die durch Vorträge jeden Tag einen ersten Impuls setzen. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema wird in verschiedenen kleineren Arbeits- und Diskussionskreisen  weitergeführt. Dabei steht der intensive Austausch individueller Erfahrungen jedes Einzelnen im Vordergrund, so dass jeder in die Thematik mit einbezogen wird. Insbesondere werden methodische Gesprächskreise für Jugendliche angeboten, die für sie konzipiert wurden und jugendgerecht gestaltet werden. Darüber hinaus wird neben dem Gespräch zwischen den Jugendlichen selber auch der Dialog mit anderen Generationen gefördert, wodurch der unmittelbare Lebens-, und Alltagsbezug sowie ein Miteinander der Generationen ermöglicht und verstärkt wird.

In einem strukturierten Tagesablauf während der Silvestertagung bilden die liturgischen Veranstaltungen die Eckpfeiler. Jeder Tag beginnt mit einem Morgengebet. Ein Gottesdienst findet täglich, zumeist um 17 Uhr statt. Der Tag endet mit einer Mediation in unserer Kapelle, wo man die Eindrücke noch einmal Revue passieren lassen kann. Diese Tagespunkte werden insbesondere von den Jugendlichen, sowohl musikalisch wie auch inhaltlich, mitgestaltet. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass dies auf offene und flexible Weise geschieht, damit das Interesse und die Freude an dem Gestaltungsprozess geweckt wird.

In wechselnden Kreativkreisen wird für Jung und Alt eine vielfältige Auswahl an fördernden Thematiken angeboten. Dies beinhaltet die vorher angebrachten liturgischen und musikalischen Schwerpunkte, aber auch handwerkliche und gruppendynamische und sportliche Aktivitäten. In diesen wird während der gesamten Woche ein Projekt bearbeitet und abschließend präsentiert. Die Tagung lebt ganz überwiegend von dem Engagement  und den Ressourcen eines jeden Einzelnen.

Entstanden ist die Silvestertagung mit den Epiphanietreffen auf Burg Rothenfels 1968, 1969 und 1970. Nach einigen Versuchen mit anderen Quartieren wie Anfang 1971 in der Jugendherberge Speyer und zum Jahresbeginn 1972 in der Jugendherberge Worms, wurde ab 1973 die Silvestertagung stets auf Burg Rothenfels  mit einem seither festen Termingerüst vom jeweils 28.12. bis zum 4.1. regelmäßig veranstaltet. Initiiert von dem Wunsch die Quickborn Gemeinschaft weiter zu pflegen, trafen sich zuerst nur einige Familien, die den Kern eines Kreises bildeten, der stetig zusammenwuchs. 1971 verbrachten sogar zehn Familien in der zweiten Julihälfte 1971 in Leksand am Siljansee in Schweden gemeinsame Ferien. Verstärkt durch begeisterte Freunde und deren Freunde ist die Teilnehmerzahl an der Taung zur Jahreswende dadurch stetig gewachsen und seit Ende der 70er Jahre bis heute ist die Burg mit jeweils 250 bis 300 Leuten voll belegt.

Dem Engagement einzelner ist es zu verdanken, dass die Werkwoche Kinder und Jugendliche in ihren Bann zog. Sehr hilfreich war, dass in den 70er Jahren Heidi und Hans Fedrau sowie Dr. Florenz Dane dazukamen. Florenz Dane wirkte durch Jahrzehnte als priesterlicher Freund, Hans und Heidi Fedrau brachten eine anregende Kultur neuer geistlicher Lieder mit und studierten Musicals ein, die am Schluss der Silvestertagung mit vielen Mitwirkenden aufgeführt wurden. Viele junge Leute kamen dazu – z.B. auf Anregung des dortigen Pfarrers Hubert Debatin aus Hohberg in Baden -, ließen sich auf der Burg „anstecken“ und brachten gute Rothenfels-Erfahrungen in ihre Heimat ein – z.B. in der Gründung von Jugendchören und vielerlei musikalischer Aufführungen.

In einem Beitrag über den Quickborn-Arbeitskreis (in: Handbuch kirchlicher Jugendarbeit, Bd. 4 Jugend der Kirche, hg. von Günter Biemer und Werner Tzscheetzsch, Freiburg 1988, SS. 172 bis 186) umschrieb Meinulf Barbers die Themenschwerpunkte des Quickborn-Arbeitskreises mit Leben aus dem Glauben, Ökumene, Frieden, Umweltfragen, Erziehung und Selbstbildung und Anregungen aus der Quickbornbewegung. Als typisch für die Tagungen des Quickborn-Arbeitskreises führte er dort (S. 179) auf – und das gilt auch heute noch – den ganzheitlichen „Ansatz: Arbeit und Fest, Liturgie und Gespräch, Musisch-Kreatives und gedankliche Auseinandersetzung, Aktion und Kontemplation bilden eine Einheit bei diesen Werkwochen. Intensive thematische Arbeit in Referaten und Gesprächskreisen und musisch-kreative Gruppenarbeit gehören zusammen. Formen des gemeinsamen Betens, Meditierens und Schweigens werden neu erprobt – wie die Laudes am Morgen und die Meditation am Abend. Die Mitte bildet“ der tägliche Gottesdienst im Rittersaal, der „in Text und musikalischer Gestaltung von Arbeitskreisen vorbereitet und von der ganzen Gemeinde so mitgetragen wird, dass Glaube und Leben zusammenwachsen können.“

Neben verschiedenen über das Jahr verteilten Tagungen des Quickborn-Arbeitskreises auf Burg Rothenfels, kam ab 1977 die „Werkwoche für junge Leute“ in der Osterwoche dazu. Viele, lange Jahre stand die Tagung im Zeichen des Misereor-Rahmenthemas „Anders leben, damit andere überleben“ oder von anderen, insbesondere junge Menschen ansprechenden Fragen. So wurde z.B. intensiv das Thema Islam mit P. Dr. Hans Vöcking, Weißer Vater, diskutiert, zu einer andere Osterwoche wurde der österreichische Jugendseelsorger und Schriftsteller Peter Paul Kasper eingeladen. Die Werkwoche fand zunehmenden Anklang, über viele Jahre hinweg kamen ca. 150 Teilnehmer. Mit dabei war oft Pfarrer Josef Kaarst, der aus dem Quickborn am Mittelrhein kommt. Seit Mitte der 90er- Jahre wird die Jugendwerkwoche nach Ostern auf dem Senklerhof in der Gemeinde St. Märgen im Schwarzwald – mit geringerer Teilnehmerzahl, der Größe des Selbstverpflegungshauses angepasst – durchgeführt. Freunde aus dem Quickborn-Arbeitskreis, vor allem die Mitglieder aus dem badischen Hohberg, sorgten und sorgen auch heute noch für den Senklerhof. Richard Sudmann (Jüchen) war Vorsitzender des Senklerhof e.V., später Ansgar Barbers (Korschenbroich) und jetzt seit Jahren Volker Sudmann.

In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre begannen Anne Hannecke, Birgit Kasper, Johannes Middendorf, Sabine Löbbert und Bärbel Peschka mit der Tagung für junge Erwachsene und junge Familien, von Mittwoch vor Christi Himmelfahrt bis zum Sonntag auf Rothenfels, ebenfalls eine Erfolgsgeschichte.

Viele weitere Veranstaltungen wären zu nennen: Bei den Katholikentagen und Ökumenischen Kirchentagen lädt der Quickborn-Arbeitskreis auch jeweils zu Begegnungen ein. Von damals in Aachen im „Ponttor“ zu einem Gottesdienst mit Josef Karst und einem Referat von Barbara Gerl-Falkovitz bis heute am letzten Katholikentag in Leipzig mit der Unterstützung vieler Jugendlicher aus dem Kreis für das ökumenische Stundengebet. Der Quickborn-Arbeitskreis gestaltete auch z.B. das große Burg- und Bundesfest 1979 mit, zu dem er Aufführungen beisteuerte und fünf Dokumentationen vorlegte (Burg Rothenfels; Quickborn; Quickborner; Quickborn-Ordnungen; umgedichtete Lieder). Lange führte Eberhard Hirner deutsch-französische Begegnungen, dann Familienfreizeiten für den Quickborn-Arbeitskreis durch; im Frühjahr und im Herbst lädt der Ost-West-Kreis im Quickborn-Arbeitskreis zu Wochenend-Tagungen ein. Daneben gibt es das Jahr über regionale Treffen und immer mal wieder ein Bundestreffen im Sommer in Hohberg / Baden.

Meinulf Barbers war ab 1967 Bundessprecher des Quickborn-Arbeitskreises. Seit 1982  wählen alle anwesenden Mitglieder der Jüngeren in ihrer Mitgliederversammlung das Bundesteam und  die Älteren in ihrer Versammlung seit 1991 auch ein Sprecherinnen-/ Sprecherteam. Als Meinulf Barbers Anfang 1993 nicht mehr kandierte, wurde Birgit Kasper (+ 22.10.2005) zur Ersten Sprecherin gewählt, die vorher schon sehr intensiv im Ost-West-Kreis und als Vertreterin des Quickborn im Arbeitskreis Partnerschaft des BDKJ mitgewirkt hatte. Ihre Nachfolgerin wurde im Juni 1999 Sabine Löbbert-Sudmann, ab 2017 dann Annette Bellinghausen und Felix Zacher.

Die beiden Bundesteams wirken Hand in Hand, auch um die Veranstaltungen für alle Teilnehmer zu einem bleibenden und weiterwirkenden Erlebnis zumachen. Die Jüngeren im Quickborn-Arbeitskreis arbeiten intensiv im BDKJ und seinen Bundesgremien mit und begleiteten auch zweimal die Hauptversammlung des BDKJ auf Burg Rothenfels.

1991 wurde auch ein Rechtsträger gegründet, der Quickborn-Arbeitskreis e.V. (Vorsitzender bis Anfang 20003 Meinulf Barbers, dann Sabine Löbbert-Sudmann, ab Anfang 2017 Felix Zacher – Stellvertreter erst Verena Stallmeister, ab 1995 Johannes Uhl, seit 2017 Simon Wennemaring).

Seit 1982 existiert auch die „Burgzeitung“ des Quickborn-Arbeitskreises als Mitteilungsorgan zum aktuellen Leben des Kreises, den Austausch zu Neuigkeiten, Berichten von Begegnungen, historische Betrachtungen und vielerlei sonstigen Beiträgen. Die Burgzeitung erscheint auch noch heute zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst, und wird seit 2008 gemeinsam mit der .Quickborn-Älterengemeinschaft herausgegeben. Die Redaktion liegt z. Zt. In den Händen von Irene und Ansgar Barbers.

Als zentrales Anliegen sah und sieht der Arbeitskreis stets die Sorge für Burg Rothenfels. Viele aus dem Quickborn-Arbeitskreis sind auch Mitglieder des Trägervereins der Burg und tragen sie in vielfältiger Weise mit. Der Bundessprecher des Quickborn-Arbeitskreises Meinulf Barbers wurde Pfingsten 1971 zum Stellvertretenden Vorsitzenden der Vereinigung der Freunde von Burg Rothenfels e.V. gewählt, Pfingsten 1979 dann zum Vorsitzenden (bis 2007). Und aus dem jüngeren bayrischen Quickborn kamen Inge Knappik-Bogner als Stellvertretende Vorsitzende 1981 bis 1999 und Albrecht Busch ab 1974 als Schatzmeister (bis 2007, von 1999 bis 2003 Stellvertretender Vorsitzender) hinzu. Vieles begann neu und zukunftsweisend auf Rothenfels – auch die bauliche Erneuerung der Burg ab 1974 bis in die Gegenwart. Und seit langen Jahren ist Bettina Herbst aus dem Quickborn-Arbeitskreis jetzt Beisitzerin im Vorstand und Sicherheitsbeauftragte der Burg. Viele weitere Mitglieder des Quickborn-Arbeitskreises engagieren sich sich für die Burg. Im Burgrat auf Burg Rothenfels wirkten aus dem Quickborn-Arbeitskreis mit Regula Thiede, Christine Schmidt und jetzt Michael Stanke sowie als offizieller Vertreter des Bundes Quickborn bis 1979 Meinulf Barbers, später lange Jahre Sabine Löbbert-Sudmann und jetzt (seit Pfingsten 2016) Kilian Mayer. Auch die Burgwarte Manfred Bähren und Stefan János Wágner kamen aus dem Quickborn-AK.

Zur Osterwoche 1984 des Quickborn-Arbeitskreises „75 Jahre Quickborn, 70 Jahre Spielmann, 65 Jahre Quickborn“ (es referierten u.a. Johannes Binkowski, Barbara Gerl-Falkovitz, Paulus Lenz-Medoc und Erich Reisch) waren auch die älteren Quickborner eingeladen, die in großer Zahl kamen und in den Arbeitskreisen mit den Jüngeren Erbe und heutigen Auftrag Quickborns überlegten. Am 3. Januar 2004 wurde auf Burg Rothenfels nach langen, intensiven Beratungen das „Selbstverständnis“ des Quickborn verabschiedet.