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Theo Hespers

Theo Hespers

ein Widerstandskämpfer, der aus dem Quickborn kam

Referat von Meinulf Barbers auf Burg Rothenfels am Main 18.8.2003
zu Beginn der Werkwoche des Bundes Quickborn

In der Bundesordnung der Mittelschicht, der 20- bis 30-Jährigen im Quickborn, hieß es 1951: “In einer Zeit der politischen Gleichgültigkeit und inneren Beziehungslosigkeit des Menschen zur staatlichen Gemeinschaft verlangen wir von uns politisches Wissen, Urteil und Verantwortungsbereitschaft. Als Bund vertreten wir keine einheitliche politische Meinung, sondern achten die ehrliche politische Überzeugung jedes einzelnen.... Wir wollen uns für gegenseitiges Verständnis einsetzen. Die Männer und Frauen des deutschen Widerstandes, die aus Gewissensüberzeugung unter Einsatz ihres Lebens für Recht und Würde des Menschen eintraten, sind uns in Haltung und Gedanken Vorbild.”

Mit dieser Formulierung waren neben den bekannteren Widerstandsgruppen wie 20. Juli, Weiße Rose oder Rote Kapelle gerade auch die Märtyrer aus dem Quickborn gemeint. Johannes Binkowski nennt in “Jugend als Wegbereiter – Der Quickborn von 1909 bis 1945” Max Joseph Metzger, Rudolf Mandrella, Alfons Maria Wachsmann und Theo Hespers. Ich möchte Leben und Werk von Theo Hespers heute Abend in Erinnerung rufen:

Theodor (Theo) Franz Maria Hespers kam am 12.12.1903 als zweites von sechs Kindern der Eheleute Franz Hespers und Berta, geb. Sporken, in München-Gladbach zur Welt. Die Familie wohnte unterhalb des Gladbacher Münsters Am Kämpchen, einer Querstraße der Lüpertzender Straße. Das Kind wuchs in einer überzeugt und überzeugenden katholischen Familie auf; Willi, ein acht Jahre jüngerer Bruder seines Vaters, war Priester, dessen Tante Maria als Schwester Christophera Priorin der Dominikanerinnen im Kloster Marienthal bei Venlo. Wie wichtig die religiöse Dimension für den jungen Theo wurde, geht auch aus seinen Tagebuchnotizen hervor. So schreibt er, auf Kindheit und Jugend zurückschauend, am 25.4.1921 u.a.: “Noch etwas, das wichtigste, habe ich in diesem Jahr vergessen. Ich ging am 21. Juni 1914 zur ersten heiligen Kommunion. In unserer altehrwürdigen Münsterkirche durfte ich den lieben Heiland empfangen und ungefähr zwei Monate später wurde ich ebendort gefirmt. Große Ereignisse waren das für meine junge Seele und nie werde ich sie vergessen. Nie vergessen werde ich den Augenblick, als mir mein viellieber Dr. Willemsen den Heiland reichte, nie vergessen die tiefe Anrede unseres jetzt schon verstorbenen Erzbischofs, Herrn Hartmann, bei der Firmung, die da endete mit den Worten ‚Ihr seid Streiter Gottes, nun kämpft einen guten Kampf!’.... Am meisten Freuden haben mir die Religionsstunden unseres Herrn Dr. Willemsen bereitet. Da erhielt man Nahrung, gute Nahrung, nach der die junge Seele schrie.”

Theo Hespers besuchte von 1914 bis zum "Einjährigen” 1920 die selbe Schule wie der gleichaltrige Hans Jonas, das Stiftische Humanistische Gymnasium auf dem Gladbacher Abteiberg, und absolvierte von 1920 – 1923 eine kaufmännische Lehre in der Buntweberei Fellinger & Peltzer.

Seit 1917 war Theo Hespers Mitglied des Quickborn und zeitweise Stadtführer dieses Bundes in seiner Heimatstadt. Der 1909 als ältester Bund der katholischen Jugendbewegung entstandene Quickborn, zunächst ein Zusammenschluss von katholischen Schülern, denen auch die Abstinenz von Alkohol und Nikotin wichtig war, nahm ab 1913 auch Mädchen auf, was damals in der katholischen Kirche als revolutionär angesehen wurde. Für Theo Hespers wurden die im Quickborn vorgestellten und gelebten Anregungen zur Einfachheit, Natürlichkeit, Lebensgestaltung aus dem Glauben, Liturgie und Ökumene, Völkerverständigung, Friedenseinsatz und politisches Engagement wesentlich und prägten ihn. Fahrten und die Tage auf Burg Rothenfels am Main gaben seinem Leben wesentliche Anstöße, so die Quickbornwerkwoche auf Rothenfels im August 1921 zum Verhältnis zwischen Staat und Gemeinschaft und dem einzelnen. Auf dieser Tagung wurde auch – vor allem zwischen Romano Guardini und dem damaligen Gauführer des Quickborn in Westfalen, Walter Dirks, darum gerungen, ob der Quickborn sich auch für Werktätige öffnen sollte, eine Frage, die auch die Gladbacher Quickborner besonders berührte. Und Romano Guardinis im Quickborn viel diskutierte “Briefe über Selbstbildung” gaben Hespers wichtige Anregungen.

Theo Hespers suchte Gleichgesinnte in allen Bereichen ohne Berührungsangst. Anregungen zu dieser Offenheit erhielt er auch durch den Friedensbund deutscher Katholiken (FDK), dem viele Quickborner angehörten. Der auch im Friedensbund aktive Quickborner Karl Föster fasst zusammen: "Der Friedensbund Deutscher Katholiken hatte den Mut, auch mit Kräften aus anderen politischen Lagern und Gruppierungen, die sich die Erhaltung des Friedens zur Aufgabe gemacht hatten - und denen seine Achtung galt -, Kontakte zu halten. Mit diesen bestand mehr Gemeinsamkeit als mit den 'Rechten' in Politik und auch der Kirche."

Über das Leben im Quickborn schrieb Theo Hespers. am 9.3.1922 in sein Tagebuch: “Im Februar 1921 kam ich wieder zum Quickborn, dem ich schon früher angehört hatte, aber zwei Jahre ausgetreten war. Quickborn hat jetzt eine große Entwicklung hinter sich. Er war aus einem Abstinenzbund zur kritischen Jugendbewegung geworden. Ich war bald mit Leib und Seele mit dabei. Viele feine Fahrten haben wir gemacht. Viele feine Menschen lernte ich in ihm kennen. Im Herbst war ich auf der Quickbornburg Rothenfels am Main, habe viel gesehen, gelernt und erlebt. Ende verflossenen Jahres schlossen wir Älteren im Gladbacher Quickborn uns zu einer Älterengruppe zusammen. Erst arbeiteten wir in einer gemischten Gruppe zusammen, dann aber trennten wir uns Anfang des Jahres aus praktischen Gründen. Wir arbeiten jetzt augenblicklich in unserem Kreis an der Liturgie.” (mit Kaplan Dr. Josef Thomé) “Wir lernen erst so recht die Schönheit und Wahrhaftigkeit unseres Glaubens kennen und lieben und so entspringt hieraus auch christlich, katholisches Leben und Handeln, und dass wir ganz katholische Menschen werden in unserem ganzen Sein und Tun, das ist unser Wille. Durch unser Sein gedenken wir auch unsere Mitmenschen wieder zum lebendigen Christentum zu führen. Gott möge uns zu alle dem die Kraft und die Gnade schenken, dass wir alles tun aus Liebe zu Ihm.” Soweit die Tagebuchnotizen des 18-Jährigen, deren letzte Sätze er ein Leben lang leitmotivisch zu verwirklichen suchte.

1923 setzte Hespers sich in den "Jugendringen Rheinland" gegen die Separatistenbewegung ein. Weil er die Separatisten-Fahne vom Rathaus Abtei holte, wurde er drei Tage im Gefängnis Spatzenberg eingesperrt. Von 1923 bis 1926 besuchte er den Werkmeister-Kursus an der Preußischen Höheren Fachschule für Textilindustrie (heutige Hochschule Niederrhein). 1925 wurde er Mitglied der christlich-sozialen Bewegung (Vitus-Heller-Bewegung), die später die Christlich-Soziale Reichspartei gründete. Ludwig Lemhöfer charakterisiert die Christlich-Sozialen: “Das war eine katholisch-linksradikale Bewegung, die teilweise auch als Partei arbeitete und bei Wahlen kandidierte; sie brachte es einmal im ganzen Reich auf 100 000 Stimmen, was aber zu einem Mandat nicht reichte. Die ‚Christlich-Soziale Bewegung’ hatte die persön-liche Lebensreform auf ihre Fahnen geschrieben wie die Veränderung der Gesellschaft auf der Grundlage von Gemeineigentum und Pazifismus; heute würde sie mühelos auf einen Kongreß der ‚Grünen’ passen.” Und Professor Dr. Arno Klönne, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Theo-Hespers-Stiftung, vermerkt: “1928 beteiligte sich die Vitus-Heller-Partei mit Nikolaus Ehlen (Lebensreformer, ‚Siedlungsgründer’, Jugendbewegter) an den Reichstagswahlen und gewann 120 000 Stimmen. Insbesondere junge Menschen aus den von der Amtskirche unabhängigen Jugendbünden (Kreuzfahrer, Jungborn, Quickborn) und aus dem pazifistischen Friedensbund Deutscher Katholiken setzten sich für die Vitus-Heller-Partei ein.

Innerhalb der Partei bildete sich ein eigene, radikal gestimmte Jugendorganisation, die Christlich-Soziale Jugend. Diese gab – neben der Vitus-Heller-Wochenzeitung “Das neue Volk” – ein eigene Zeitschrift unter dem Titel “Die junge Tat” heraus. Die maßgeblichen Sprecher der Jugendgeneration in der Vitus-Heller-Partei waren Paul Böhmer, Paul Feltrin und Theo Hespers.” Vitus Heller und dann Paul Feltrin imponierten Hespers besonders durch unbedingten Friedenswillen aus christlicher Überzeugung (vgl. Hellers Büchlein "Nie mehr Krieg") und den Einsatz für eine gerechte Sozialordnung.

1925 trat Theo auch der von Hans Ebeling gegründeten Pfadfinderschaft Westmark bei - und im Juni 1926 ging er mit Otto Westfahlen, einem Freund aus dem Quickborn, auf eine einjährige Großfahrt zu Fuß über Frankreich, Italien und Spanien nach Marokko; er sah die himmelschreiende Armut in diesen Ländern und fasste als Christ den Entschluss, "sich hier politisch zu engagieren und für eine Änderung der herrschenden Verhältnisse zu kämpfen.”

1927 unternahm er eine achtwöchige Russlandreise (er war in diesem Jahr Stellvertretender Vorsitzender der "Internationalen Arbeiterhilfe" geworden und fuhr mit deren 3. Delegation in die UdSSR). Ab 1928 arbeitete er in verschiedenen Beschäftigungsver-hältnissen in München-Gladbach. In den Jahren 1928 bis 1930 engagierte er sich intensiv in der Christlich-Sozialen Reichspartei - CSRP - (so als Kandidat für den Preußischen Landtag und als Vertreter in Ausschüssen der München-Gladbacher Stadtverordnetenversammlung).

1930 heiratete er Katharina Kelz, die er im Quickborn kennengelernt hatte; Traupriester war der den Gladbacher Quickbornern verbundene frühere Bundesführer der Kreuzfahrer Dr. Josef Thomé, der Familie Hespers auch später in ihrem niederländischen Exil besuchte. 1931 wurde das einzige Kind, der Sohn Dietrich Franz (Dieter, Dirk) geboren.

Da Theo aus seinen christlich-sozialen Grundanschauungen und seinem aus dem Glauben geprägten politischen Engagement schon früh den Nationalsozialismus als eine Menschen bedrohende und sie verachtende Fehlentwicklung sah, trat er im Herbst 1932 aus der CSRP aus, weil er den Eindruck hatte, dass auch diese Partei den drohenden Gefahren nicht entschieden genug gegensteuerte. Zurückschauend schreibt er später: “Wem galt unsere Kritik...? Waren es die Ideen oder die Menschen? Wir können eindeutig antworten, dass es die Menschen waren... Wir sahen, dass die Vertreter des Sozialismus sich nicht entschieden für eine soziale Neuordnung einsetzten, dass die Vertreter des Nationalismus nicht das Wohl des Volkes und der Nation, sondern egoistische Ziele im Auge hatten, dass die Vertreter des Katholizismus nicht die Weite zeigten, die der Weltkirche ansteht, dass die Vertreter des Christentums mit der Nächstenliebe nicht ernst machten.” In der Hoffnung auf einen intensiveren Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit war Theo Hespers 1931 bis 1933 in der "Rote Gewerkschaftsorganisation" aktiv. Um ein entschiedenes Gegengewicht gegen die NSDAP zu erreichen, engagierte er sich für Einheitsfrontlisten bei den verschiedenen Wahlen im Jahre 1933 und kandidierte selbst bei der Reichstagswahl am 5.3.1933 auf der "Einheitsliste der Arbeiter und Bauern" und für die Stadtverordnetenversammlung als Spitzenkandidat der Liste der "Kampffront der Werktätigen". Am Tage nach dem Reichstagsbrand vom 27.2.1933 erließ die Hitler-Regierung eine "Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat" und "gegen Verrat am deutschen Volk und hochverräterische Umtriebe".

Auf Grund dieser Notverordnung sollte auch Theo Hespers verhaftet werden. Durch einen Freund gewarnt, dass die politische Polizei ihn verhaften wolle, (sie hatte das Haus mit Scheinwerfern umstellt, die Bewohner mussten stundenlang mit erhobenen Händen an der Wand stehen) ging er nicht nach Haus, sondern floh im April 1933 in die Niederlande. Er fand zunächst Unterschlupf in einer 3 x 4 qm großen Klosterzelle bei den Dominikanerinnen im Kloster Mariental bei Venlo, wo seine Tante als Schwester Christophera Priorin war. In einer tschechischen Zeitung wird unter der Überschrift "Ein Held mit dem Decknamen 'Katholik' " über Theo unter anderem berichtet: "Es war kein Zufall, dass sich der junge katholische Emigrant nur wenige Kilometer von der deutsch-holländischen Grenze in Roermond niederließ. Die Grenze wird in diesem Bezirk durch dichte Wälder gebildet und das kleine Flüsschen Schwalm. Hier kannte Theo jeden Weg und Steg und jeden Waldwinkel. Längs der Grenze von Nymwegen bis Zach ist eine Anzahl von Klöstern. In einem Frauenkloster war eine Vorsteherin eine Schwester von Hespers Vater. Über diese Adresse ging der Briefverkehr, von London oder vom Haag, nach Deutschland oder nach Prag."

Theos Freund Max Berretz brachte im Juli 1933 zu Fuß Käthe und den kleine Sohn Dieter über “die grüne Grenze”. Familie Hespers fand dann eine Wohnung in Melick an der Roer bei Roermond. Diese Wohnung wurde zu einer wichtigen Anlaufstelle der Widerstandskämpfer. Freunde aus der katholischen Jugend und den bündischen Gemeinschaften, jüdische Emigranten, Mitglieder der sozialdemokratischen und der kommunistischen Partei suchten Hilfe in unserem Hause. Flugblätter wurden hergestellt, die dann im Rhein-Ruhr-Gebiet von Hand zu Hand gingen. Theos Sohn Dieter berichtete im Vorwort zur Neuherausgabe der “Kameradschaft”: “..Von Melick aus entwickelte sich in der Folgezeit eine rege illegale Arbeit. Antifaschistische Schriften, so z.B. zum Reichstagsbrandprozeß, gelangten durch die Vermittlung von Theo Hespers nach Deutschland.....'Von diesem Häuschen aus (Wohnung von Hespers in Melick) gingen Fäden und Verbindungen kreuz und quer durch Europa...auch die sorgfältig gehüteten Verbindungen in das illegale, kämpfende Deutschland. Was die Mauern.. erzählen könnten, ist wahrscheinlich eines der ruhmreichsten Kapitel des Deutschen Widerstandes. Seele und Motor der Arbeit war Theo Hespers...' ,berichtete Theos Freund Hans Dahlen später. Diese umfangreiche illegale Arbeit, in deren Verlauf große Mengen antinazistisches Material durch Mittelsmänner, Gemüsewagen und Rhein-Maas-Schiffe ins Reich gebracht wurden - und die auch die Verhaftung einiger wichtiger Mitglieder der Widerstandsgruppe im Reich zur Folge hatte, war der Gestapo ein Dorn im Auge und veranlaßte die Hitlerregierung zur Intervention in den Niederlanden.

Theo Hespers hatte “auch Kontakt zu den Mönchengladbacher Emigranten Alfred Katzenstein, der aus Paris zu ihm kam und um Unterkunft bat, und zu Gertrud Sanders, “beide waren ihm als Mitglieder des jüdischen Wandervogel-Bundes ‚Die Kameraden’ schon aus der Zeit vor 1933 bekannt. Beide arbeiteten jetzt für die illegale KPD, indem sie bei der Materialbeschaffung und der illegalen Lieferung von Material nach Deutschland tätig waren.”

“1934 wurde Theo Hespers von niederländischen Regierungsstellen gezwungen, 'over de waterkant' (über die Maas) nach Helmond zu gehen, von wo aus er seine konspirative Arbeit neu organisieren mußte..."

Im Mai 1935 wurde Theo Hespers zur Fahndung ausgeschrieben; ab Mai 1936 lebte die Familie in Eindhoven. Hespers erhielt eine kleine Unterstützung durch die kath. Kirche und verkaufte Reformkost – teilweise war er mit dem Fahrrad unterwegs und konnte so auch unauffällig Widerstandsmaterial verteilen.

In einem Protokoll der Geheimen Staatspolizei vom 30. Juli 1941 heißt es dann:

    "Wegen seiner hochverräterischen Bestrebungen wurde Hespers die deutsche Reichsange-hörigkeit am 1. Februar 1937 aberkannt." - ebenso seiner Frau und seinem Sohn.

In seiner Dissertation über “Widerstand und Verfolgung in Mönchengladbach und Rheydt 1933 bis 1945 – die als Band 22 der Beiträge zur Geschichte der Stadt Mönchengladbach erschien, berichtet Dr. Heribert Schüngeler , “dass sich 1937 der Gladbacher Hubert Giffels – genannt “Tutti” – “den Hespers aus seiner Zeit als Quickborn-Mitglied kannte, in seiner Stellung als Konsulatsbeamter in Antwerpen und Paris bereiterklärt hatte, für Hespers zu arbeiten.” Und durch den Niederländer Dr. Marcus van Blankenstein, einen Juden, der als Journalist auch gute Verbindungen zu Diplomaten und Politikern hatte, bekamen Theo Hespers und sein Freund Dr. Hans Ebeling auch Kontakte zu dem englischen Geheimdienstoffizier Major Stevens (der dann gemeinsam mit Captain Best am 9. November 1939 von einem deutschen Sonderkommando an der Grenze am Café Backus bei Venlo entführt wurde – dieser “Venloer Zwischenfall” ereignete sich einen Tag nach dem missglückten Attentat auf Hitler im Münchener Bürgerbräukeller).

 Der Essener Prozess gegen den ‚Jungnationalen Bund’ der Bündischen Jugend im Juni1937, in dessen Mittelpunkt Hans Böckling zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt wird, rief unter den niederländischen Jugendorganisationen größte Erregung hervor. Es führte zu der Forderung nach Unterstützung der deutschen Jugend, die sich der Diktatur nicht beugen will, und damit  zu der Gründung der Zeitschrift ‚Kameradschaft’ in Brüssel und Amsterdam mit den Herausgebern Theo Hespers und Hans Ebeling.” Theo Hespers erfuhr daher in den Niederlanden verstärkt große Unterstützung.

Bis zum 10. Mai 1940, dem Überfall Nazi-Deutschlands auf die Niederlande, entfaltete Theo eine umfangreiche und wirkungsvolle Widerstandsarbeit, für die er viele Kontakte knüpfte und aufrechterhielt:

Er setzte sich mit der katholischen Kirche in Verbindung und arbeitete intensiv mit dem Kreis um den emigrierten Jesuiten Dr. Friedrich Muckermann zusammen. Diese Mitarbeit galt besonders dem katholischen Komitee in Utrecht und Beiträgen in der von Pater Muckermann herausgegebenen neuen Zeitung "Der deutsche Weg", die in Oldenzaal gedruckt wurde. Über die Gesamtsituation schrieb Muckermann in seinen Lebenserinnerungen: “Wenn ich geglaubt hatte, es müsste die Geistlichkeit wie ein Mann sich gegen das Neuheidentum erheben, so konnte ich damals die Erfahrung machen, dass dem nicht so war. Man hielt mich für einen Pessimisten, und mein Publikum blieb jedenfalls geteilt in seinen Auffassungen. Der tiefere Grund wird wohl in den vielfach unbewussten und geheimen Spannungen liegen, die sowohl in Deutschland wie in Holland zwischen dem ‚kirchlichen’ Katholizismus und dem Katholizismus im politischen Leben bestand.”

Dr. Muckermann schreibt auch: “Der ‚Deutsche Weg’ hatte zuverlässige Freunde, aber noch mehr in größerer Zahl grimmige Gegner. Die Nazis fürchteten ihn bald so, dass sehr hoch gelegene Zentralen um Freiexemplare baten, so zum Beispiel das Propagandaministerium in Berlin. Ihrer Bitte wurde in liebenswürdigster Weise entsprochen, was uns andererseits nicht hinderte, bald darauf zu erklären, dass unsere Finanzen eine kostenlose Belieferung nicht mehr gestatteten, und so wurden sie denn zu Abonnenten.”

Das katholische Komitee in Utrecht, "Katholiek Comité voor Slachtoffers van Geloofsvervolging" ,hatte der Utrechter Universitätsprofessor J. Schmutzer gegründet (der 1944 nach England flüchten musste und hier als Minister für die überseeischen Gebiete in der niederländischen Exilregierung mitarbeitete). Sekretär war nach 1936 Peter Lütges, ein Zentrumsmann aus Süchteln, der als Journalist in Düsseldorf gearbeitet hatte und mit Theo Hespers befreundet war.

Ich zitiere aus einem Beitrag, den Karl Josef Hahn im Februar 1965 in der Zeitschrift “Hochland” als "Insider" veröffentlichte (Hahn arbeitete mit Theo Hespers und Hans Ebeling. im Kameradschaft-Kreis zusammen; die Vernehmungsprotokolle Hahn sind dann im Hespers- Prozess von Bedeutung): In seinem Artikel "Katholischer Widerstand gegen den Nationalsozialismus in den Niederlanden", in dem er auch Theo Hespers würdigt, über die umfangreiche und mutige Arbeit des Komitees in ganz Europa und seine Zusammenarbeit mit Katholiken in USA und Großbritanien schreibt, sagt Hahn u.a.: "Es galt dabei, mit großer Vorsicht vorzugehen, da die Gestapo selbstverständlich vom Bestehen des holländischen katholischen Flüchtlingsbüro wußte und sich darüber klar war, daß über dieses Büro gelegentlich auch Personen entkamen, die von der Gestapo gesucht wurden. Auch vermutete sie nicht zu Unrecht, daß die Leiter des Flüchtlingsbüros mit führenden katholischen Flüchtlingen wie Brüning Verbindung hatten und überdies die katholische Öffentlichkeit laufend über die antichristlichen Maßnahmen der Nationalsozialisten unterrichteten."

 Theo hatte ab 1930 Kontakt auch zum Jungnationalen Bund um Dr. Hans Ebeling aus Krefeld, (der wegen seines Glatzkopfes, seiner “Pläät”, seinem “Plateau”, von seinen Freunden “Plato” genannt wurde). Hespers kannte Plato ja schon seit 1925 aus der Pfadfinderschaft Westmark.

Theo und Plato trafen sich wiederholt in den Niederlanden und arbeiteten ab 1935 intensiv zusammen. Sie gründeten einen "Arbeitskreis bündischer Jugend", AKBJ, der u.a. als Material für die ausländischen Presseagenturen die "Sonderinformation deutscher Jugend" veröffentlichte und bis Mitte 1937 die "Bündischen Rundbriefe" herausgab. Neben Hespers und Ebeling arbeiteten im AKBJ führend mit Eberhard Koebel (tusk, d.j.1.11.,) und Fritz Borinski (beide in London), K.O.Paetel (Paris), Walter Hammer-Hoesterey (Kopenhagen), Hans Stoffers (SPD, Brüssel), Werner Kowalski (KPD) Ab 1936 konnte Theo wieder einige größere Reisen unternehmen, um Kontakte zu knüpfen (so nach Belgien, Frankreich, Irland, England und in die Schweiz). Vom 31.8. bis 6.9.1936 nahm er als einer der vier Vertreter der deutschen Widerstandsjugend am Genfer Weltjugendkongress teil.

Theo und Plato überlegten auch – z.B. beim Weltjamboree Ende Juli 1937 in Vogelzang bei Amsterdam in Gesprächen mit dem Stellvertreter Baden-Powells und führenden Repräsen-tanten der ungarischen Pfadfinderbewegung Graf Pál Teleki von Szék vom Internationalen Büro der Boy Scouts -, ob ein Anschluss an die Weltpfadfinderbewegung den bündischen Widerstandsgruppen eine bessere Absicherung gäbe. Dies scheiterte aber – wie Graf Teleki selbst betonte – “am Scout-Gesetz. Da dieses vorsieht, dass die entsprechende Scout-Orga-nisation des betreffenden Landes den Eid auf die jeweilige ‚Staatsführung’ abzulegen hat (in diesem Fall auf Hitler also!) erklärte das Internationale Büro, dass es eine derartige Forde-rung politischen Gegnern der Totalität des Dritten Reiches gegenüber nicht erheben könnte und würde. Zudem sei der Scoutismus unpolitisch – die Bündische Jugend dagegen politisch”.

Nach einer Vorbesprechung von Ebeling und K.O.Paetel in Paris führte der AKBJ  am 17./18.7.1937 in Brüssel in einem Hotel am Grand Place eine Konferenz durch.

Wichtige Teilnehmer waren neben den Organisatoren Hespers (für die katholische Jugend – er hielt dort auch ein wichtiges Referat zur Lage der katholischen Jugend) und Ebeling Paetel, Hans Stoffers (SPD), "Felix" (Erich Jungmann, kommunistische Jugend), Werner Kowalski (KPD), Lavacherie (belgische Jugend), Gerrit Aalders (niederländische Jugend) sowie Carrit und Jones als Vertreter der "British Youth Peace Assembly".

Hauptziele der "Brüsseler Konferenz" waren, eine entsprechend straffer organisierte Exilvertretung der deutschen Jugend zu gestalten, die "Deutsche Jugendfront", damit die Hitlerjugend nicht weiterhin als alleinige Vertreterin der deutschen Jugend im Ausland auftreten konnte, und eine gemeinsame Widerstandszeitschrift aller Emigranten aus der Jugendbewegung zu begründen.

 Bei einem weiteren Treffen in Paris im August 1937 lehnten Theo, Plato. und Paetel eine weitere Zusammenarbeit mit den Kommunisten ab - Auslöser waren die großen Prozesse der Stalinzeit ab 19.8.1937 und der damit beginnende rote Terror. Dirk Hespers begründet in einem einleitenden Text zur Neuherausgabe der Zeitschrift “Kameradschaft”: "Die Trennung von den Kommunisten war nicht so sehr eine politische, als eine moralische Verurteilung der Sowjetunion. Von da an wurde der NS-Diktatur die kommunistische zur Seite gestellt und für die Zukunft Deutschlands beide abgelehnt."

In Eindhoven wurde dann das Programm der Deutschen Jugendfront aufgestellt:

  1. an die Stelle des bisher gemeinsam mit den Kommunisten herausgegebenen bündischen Rundbriefes trat ein eigener Informationsdienst,
  2. es sollten eigene Gruppen gebildet werden,
  3. eigene Hilfskomitees für emigrierte Bündische sollten in Belgien, den Niederlanden und England aufgebaut werden,
  4. eine eigene Zeitschrift, die – nach entsprechenden Diskussionen - den Namen "Kameradschaft - Schriften junger Deutscher" erhielt, sollte erscheinen. 

Die Bedeutung der Deutschen Jugendfront und der Gruppe um die "Kameradschaft" bestätigte die Gestapo in einem Protokoll vom 21.2.1942, in dem über 50 Beteiligte namentlich aufgeführt werden, Hespers und viele andere Deutsche, Niederländer, Belgier, Franzosen, ein US-Amerikaner - dabei sind auch mehrere Juden und einige Frauen.

In dem Protokoll heißt es u.a."Erst die Ermittlungen in der letzten Zeit, die durch die militärische Besetzung westlicher Feindstaaten ermöglicht wurden, haben eine Aufklärung bringen können. Es konnte festgestellt werden, dass es tatsächlich deutschen Emigranten aus der bündischen Jugend gelungen war, im Ausland eine auf den gewaltsamen Umsturz in Deutschland ausgerichtete Organisation zu gründen, die sich 'Deutsche Jugendfront' nannte und die auch in verschiedenen überseeischen Ländern Stützpunkte besaß."

Die erste Ausgabe der “Kameradschaft” erschien im November 1937 gleich in einer Auflage von 600 Exemplaren, die weitere Auflagenhöhe lag jeweils bei 2.000 oder mehr. Ziel der Herausgeber war es, die Jugend über die Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Systems aufzuklären, den Geist des Widerstandes unter den Jugendlichen zum Sturz des Hitler-Regimes wachzuhalten und die politischen Grundlagen für die Widerstandsgruppen der Jugend darzulegen. Dabei orientierte man sich grundsätzlich an christlichen Prinzipien.

 Die “Kameradschaft – Schriften junger Deutscher” bezog von Beginn an eindeutig Position. Heft 1 vom November 1937 begann unter der Überschrift “Kameradschaft” mit einem programmatischen Artikel, dessen erste beide Abschnitte lauten: “Wir stehen im Kampfe, wir jungen Deutschen. Was unsere Sehnsucht in Jahren reichen Jugendlebens war, was wir für uns und unser Volk erträumten und ersehnten, ist ferner denn je. Was wir uns schufen, ist zerstört oder tödlich bedroht. Unser Wollen ist verfehmt, unsere Gemeinschaft verboten.

Die braune Pest herrscht in Deutschland. Der Tyrannen Willkür zerstört unsere Heimat. Schwer stöhnt das Volk in den Ketten der Unfreiheit, dunkel und bedroht ist seine Zukunft, für die gerade wir, die Jugend dieses Volkes, Verantwortung tragen.”

Im gleichen Heft schrieb Theo Hespers einen Artikel “Brüder in Not! Zum Rossaint- Prozess”, (bei dem auch sein Freund Dr. Josef Thomé angeklagt war und Freunde aus dem  Quickborn) einen Artikel, der im Untersuchungsverfahren und im Prozess gegen Hespers große Bedeutung bekam. Zu Beginn charakterisiert er die beiden sich ausschließenden Grundpositionen:

“Es ist an der Zeit, dass die Menschen der katholischen Jugendbewegung sich Rechenschaft geben über die Art und die Bedeutung des Kampfes, den die Nazi-Regierung gegen den Fortbestand ihrer Organisationen, gegen ihre Führung, gegen sie selbst führt. Dieser Kampf ist nicht nur ein Konkurrenzstreit, der dem Totalitätsanspruch der ‚Hitler-Jugend’ entspringt, sondern er ist ein Kampf gegen die innere Haltung der katholischen Jugend. Die katholische Jugend hat seit dem Weltkriege ein eigenes Weltbild auf Grund ihrer ethisch-religiösen Ideale entwickelt, das der Weltanschauung des ‚Nationalsozialismus’ grundsätzlich entgegensteht. Grade die katholische Jugend ist auf die unehrlichen Phrasen des Nazismus vom ‚positiven Christentum’, von der ‚Volksgemeinschaft’, von der ‚nationalen Idee’ nicht hereingefallen, weil sie selbst ihre eigene Idee über all diese Dinge in sich trägt. So ist es denn verständlich, dass das heutige Regime aus Selbsterhaltungstrieb gezwungen ist, den Vernichtungskampf gegen die katholische Jugend mit allen Mitteln zu führen.”

Später schreibt er: “Zwischen ‚Staatsvergottung’ des Hitlertums und ‚Rassenvergottung’ und christlicher Wertung des Menschen und des Volkes gibt es keine Brücke. ‚Nationalsozialistischer’ Macciavellismus und christliche Auffassung vom Volksleben und internatinaler Politik sind unvereinbare Gegensätze.”

Und in einem Hespers-Artikel “Katholische Jugend vor der Entscheidung” in Kameradschaft Nr. 6/7 von April/Mai 1938 heißt es u.a.:

“Terror und Angst vor der ‚Illegalität’ darf uns nie davor zurückhalten, als Christen unsere Pflicht zu erfüllen. Diese unsere Verpflichtung heißt: alle Gebiete des Lebens mit unserem Geist, unserer Idee zu erfüllen. Gerade in dieser Zeit der Demagogie und der Unterdrückung, der Lüge und des Verrats, müssen wir unsere Idee hell und strahlend herausstellen, dass sie als Richtschnur und als Fahne diene für uns und alle, die die Rettung Deutschlands und des Christentums wollen. Auch heute in der Unterdrückung ist es uns möglich, durch unser tägliches Leben und auch darüber hinaus zu zeigen, was wir unter einer wirklichen Erneuerung des Volkes verstehen. Wir können und müssen dafür sorgen, dass unter allen nationalen Phrasen nicht das wirkliche deutsche Volkstum zugrundegeht, dass die Menschen nicht den Blick verlieren für wirkliche soziale Gerechtigkeit und für wirkliche Freiheit des Menschen und des Gewissens. Wir können und müssen auch weiterhin und vor allem die Menschen persönlich mit einander verbinden, die den Willen und den Glauben an die Überwindung dieses Systems und dessen Ablösung durch den Bund aller ehrlichen und anständigen Deutschen haben. Überall, wo wir stehen und schaffen, sollten wir arbeiten an dieser wahrhaft christlichen und deutschen Aufgabe. Bleiben wir ihr, bleiben wir unserer Idee getreu, die Wirklichkeit zu gestalten aus dem Geist eines lebendigen Katholizismus: heute, in der Unterdrückung, morgen, im Aufbau!”

Theo Hespers sorgte dafür, dass die “Kameradschaft” eine von ökumenischem Geist beflügelte Widerstandszeitschrift wurde und trug diese Absicht auch in die “Sonder-informationen Deutscher Jugend”

In Heft 12 der Kameradschaft vom Dezember 1938 erschien die von Hespers gemeinsam mit Peter Lüttges formulierte Zukunftsvision “So wollen wir Deutschland”. Der Aufruf beginnt:

“Schwer lastet das Joch der Gewaltherrschaft auf Deutschland. Das deutsche Volk ist durch das totalitäre Hitlersystem seiner Freiheit beraubt, rechtlos und unterdrückt. Die Würde des einzelnen Menschen und des gesamten Volkes ist durch die Systematisierung der Anträgerei, Verleumdung, des Betruges und der Heuchelei, durch den totalen Terror vernichtet. Durch ihre imperialistische Machtpolitik droht die Hitlerregierung, das deutsche Volk in den Krieg zu führen und so seinen Untergang herbeizuführen.

Jeder, der an den Ewigkeitswert des Menschen glaubt und dem das deutsche Volk und seine christliche Kultur lieb sind, fühlt die Verpflichtung, die heute über Deutschland herrschenden Gewalthaber abzulehnen und sich für deren Überwindung einzusetzen. Als junge katholische Deutsche fühlen wir uns darum auf Grund des durch das Christentum geheiligten Naturrechtes verpflichtet, für den Sturz des Hitlerregimes zu kämpfen. Lange haben wir gewartet auf einen Aufruf der Kräfte in den eigenen Reihen von Seiten führender katholischer Männer. Aber alle, die früher das Wohl des Volkes im christlichen und katholischen Lager vertraten, schweigen heute. Sie schweigen schon allzu lange, als dass man noch verantworten könnte, auf sie zu warten. So wollen wir denn auf unsere eigenen jungen Kräfte bauen, umsomehr, da wir der Überzeugung sind, dass die neue Zeit Menschen erfordert, die unbelastet durch die Vergangenheit, den neuen Aufgaben gerecht werden können.

Der Zusammenbruch der Weimarer Parteien, der Machtantritt der N.S.D.A.P. und nicht zuletzt die Tiefe der kapitalistischen Wirtschaftskrise haben uns gelehrt, dass nur eine vollständige Neuordnung der Gesellschaft, des Staates und der Wirtschaft eine dauerhafte Gesundung des deutschen Volkslebens herbeiführen kann.” Mit einer Formulierung die die Theo-Hespers-Stiftung sich als Leitwort gewählt hat, heißt es dann: “Die Erneuerung der Lebensverhältnisse ist aber nur dann praktisch durchführbar, wenn ihr eine neue Gesinnung zu Grunde liegt.”

Und Theo Hespers fährt fort: “Diese Gesinnung ist: Die Überwindung des Privatinteresses durch die Idee der Gemeinschaft zum Wohle des Volkes. Die Überwindung der kapitalistisch-materialistischen Gesinnung ist aber nur möglich, wenn die Frage nach der Aufgabe des Menschen mit dem höchsten Ziel beantwortet wird. Dieses Ziel sehen wir Christen in der Vollendung der menschlichen Persönlichkeit.”

Hespers fordert eine Staatsform, “die die Gleichberechtigung aller Staatsbürger gewähr-leistet. Diese Gleichberechtigung erfordert außerdem eine Wirtschaftsform, die die wirklich soziale Unabhängigkeit des Einzelnen garantiert.”

Im Eigentums- und Wirtschaftsbereich entwickelte Hespers dann Gedanken, die weitgehend dem späteren Ahlener Programm der CDU von 1947 entsprechen, und fährt fort: “Das Erziehungsrecht liegt ausschließlich in den Händen der Eltern. Diese haben das Selbstbestimmungsrecht, ihre Kinder einer Schule anzuvertrauen, die ihren religiösen und weltanschaulichen Auffassungen entspricht.” “Die Jugend hat das Recht, sich in freie Jugendbünde nach der Eigenart ihres Wollens zusammenzuschließen.”

Das Manifest forderte Rede- und Pressefreiheit und “Die Kirchen werden als selbständige Glaubensgemeinschaften vom Staate anerkannt und geschützt. Sie sind als Träger des Christentums wesentliche Grundlagen der deutschen Kultur. Die Aufgabe der Kirche war und wird sein, das Christentum im deutschen Volke lebendig zu gestalten, d.h. die Menschen zu formen, die die beste Gewähr für die Verwirklichung des Christentums im öffentlichen Leben des Volkes bieten.

Die Kirche enthält sich jeder Anteilnahme am politischen Leben. Eine große völkische Aufgabe der Kirchen wird vor allem auch in der weitgehendsten Überbrückung der Gegensätze der christlichen Konfessionen durch die Herausstellung der Gemeinsamkeit der christlichen Glaubens- und Sittenbegriffe liegen.

Das kommende Reich wird aussenpolitisch für die weitgehendste, kulturelle und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den anderen Völkern Europas und der übrigen Welt sich einsetzen. Aus der Achtung vor dem eigenen völkischen Eigenwert wird es auch die völkische Eigenständigkeit der anderen Nationen achten. Es ist daher für die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes wie für dasselbe Recht aller anderen Völker....So wird das Reich aufgebaut sein auf der Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Menschenwürde, gesichert durch die geistige und materielle Stärkung der deutschen Volkskraft.

Wir stellen diese Grundforderungen auf in dem Bewusstsein, dass sie nicht durch fromme Wünsche erreicht werden können, sondern nur durch den Einsatz aller geistigen und materiellen Kräfte all’ derer, die willens sind und sich verpflichtet fühlen, sich für den Sturz der heutigen Gewaltherrschaft und für die Erneuerung Deutschlands einzusetzen. Wir fordern darum alle, an die dieser Aufruf ergeht, auf, sich für oder wider dieses Manifest auszusprechen. Dabei wenden wir uns in erster Linie an alle aktiven katholischen Deutschen, darüber hinaus aber auch an alle Christen und alle, die der Lehre des Christentums wohlwollend gegenüberstehen. Wir sagen von vornherein, dass wir nicht die Bildung einer konfessionellen Front erstreben, sondern die Schaffung eines Bundes aller derer, die ein lebendiges Christentum als wesentliche Grundlage des deutschen Volkstums anerkennen. Wir wollen, dass der Rahmen dieses Bundes soweit wie möglich gespannt sei, weil wir uns des Ernstes der heutigen Lage und der Schwere unserer Aufgabe bewusst sind. Geht es doch nicht um die Rettung dieser oder jener kulturellen, konfessionellen oder sozialen Bestandteile, sondern um die Rettung der christlichen, deutschen Kultur, um die geistige und leibliche Freiheit und den Bestand des deutschen Menschen schlechthin. Von der Einsatzbereitschaft eines jeden Einzelnen wird es abhängen, wann das Reich der Freiheit und Gerechtigkeit aufersteht!”

Schon am 8. September 1938 wurde die “Kameradschaft” vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda im ganzen deutschen Reich verboten.

Beide sind nicht unabhängig von einander denkbar, die “Deutsche Jugendfront”, in der Niederländer, Belgier, Franzosen, Engländer und Angehörige anderer Nationen mit den Deutschen um Theo Hespers und Hans Ebeling gemeinsam für Freiheit, Menschenrechte und ihre christlichen Gewissensentscheidungen, für Demokratie und gegen den Hitlerterror kämpften und einige ihr Leben für diese hohen Ziele opferten, und die "Kameradschaft", die als Zeitschrift - z.T. mehrsprachig - die Verbrechen der Nazis anprangerte, zum Zusammenstehen und zum Widerstand aufrief, umfassend und wahrheitsgemäß informierte und den durch die NS-Lügen notwendig gewordenen "Nachhilfeunterricht" erteilte. "Kameradschaft" wurde zu einem wichtigen Sprachrohr des Widerstandes und konnte außer in Deutschland auch durch zahlreiche Kontakte im außerdeutschen Raum verteilt werden (in Belgien, den Niederlanden, Luxemburg – über Dr. Wilhelm Solzbacher - , der Schweiz – über den Schriftsteller Dr. Hans Wirtz, – Frankreich, der Tschechoslowakei (über Hans Jäger) Dänemark, Schweden, Großbritanien, USA und Australien).

Die niederländische Jüdin Sarah Cato (“Selma”) Meijer übernahm in ihrem Büro “Holland Typing Office” und als Sekretärin der Hauptverwaltung “Internationaler Frauenbund für Frieden und Freiheit” Herstellung und Vertrieb der Zeitschrift. Ihre Agentur in Amsterdam war eine wichtige Anlaufstelle für Theo und seine Widerstandskreise. Gemeinsam mit Ebeling gründete sie auch das “ Hilfskomitee für jugendliche Flüchtlinge aus Deutschland" (“Comitte tot hulp aan jeugdige duitsche vluchtelingen”), das jugendliche Emigranten bei ihrer Flucht  aus Deutschland unterstützte (und in Belgien wurde eine Paralleleinrichtung begonnen, das “Comitè d’aide por des jeunes refugiès allemands” in Brüssel). Das niederländische Komitee mietete ein Haus in Zaandam, das bis zu zehn Flüchtlinge beherbergen konnte, und finanzierte Emigranten Flüge von Prag in die Niederlande, Flug- und Schiffsreisen nach Australien, Südamerika oder Shanghai.

(S.C.Meyer starb im Gefängnis Berlin-Moabit an den Folgen der dort erlittenen Schläge. Hildegard Wester MdB referierte bei Symposien der Hespers-Stiftung in den letzten Jahren und bei einer Veranstaltung in der Gladbacher Synagoge über diese eindrucksvolle selbst-lose Frau aus dem Widerstand im Westen.)

Der Historiker Professor Dr. Arno Klönne stellt rückschauend fest: “Die Wirkung der Gruppe um die ‚Kameradschaft’ und ihres Verbindungsnetzes in der ‚Jugendfront’ lag nicht nur in der Einflussnahme auf illegale Jugendgruppen in Deutschland oder in der Kontaktnahme zu deutschen Jugendgruppen, die – vor dem Krieg – Auslandsfahrten machten und hier mit den Argumenten der ‚Kameradschaft’ vertraut gemacht wurden (was vor allem für Frankreich und Dänemark / Schweden nachweisbar ist). Wim Verkade berichtet aus zeitlichem Abstand:

“Denjenigen, die sich um Hans Ebeling, Theo Hespers, Hans Stoffers und ihre jüngeren Freunde kümmerten, wurde bald klar, dass diese Deutschen weit mehr zu geben als zu erbitten hatten. Ihre Warnungen gegen politische Infiltration von nationalsozialistischer Seite her...erwiesen sich bald als zutreffend. Ihre Deutung von Ereignissen im Dritten Reich stützte sich auf eine weitaus bessere Kenntnis...als sie nicht nur niederländische Presse-Kommentatoren, sondern auch die meisten anderen deutschen Emigranten hatten.” Verkade schreibt es nicht zuletzt der von der Gruppe um die ‚Kameradschaft’ geleisteten Aufklärung zu, dass der Einfluss der niederländischen Nationalsozialisten zwischen 1935 und 1939 erheblich zurückging und das Deutschlandbild in der niederländischen Öffentlichkeit sich zum Realistischen hin veränderte, also die vom NS-Staat herdrohende Gefahr voll zur Kenntnis nahm.”

Und die Enkelin des niederländischen Widerstandskämpfers Dr. Marcus van Blankenstein, Dr. Elisabeth Blankenstein, fasst ihre Forschungen zusammen:

“Die Jugendfront war eine Bündelung von deutschen antinazistischen Jugendorganisationen, die beim Machtantritt Hitlers ihre Aktivitäten im Untergrund fortgesetzt hatten. Das Publikationsorgan der Jugendfront war die ‚Kameradschaft – Schriften junger Deutscher’, die ab 1937 zuerst in Brüssel und später in Amsterdam herausgegeben wurde. Die Initiatoren waren der aus Deutschland geflüchtete römisch-katholische Jugendleiter Theo Hespers und der ebenfalls aus Deutschland stammende Jugendführer Hans Ebeling. Mehr als einige andere Emigrantenblätter war ihr Periodikum gekennzeichnet durch ihre unverblümten Kommentare über das Hitlerregime. Ebeling und Hespers lieferten auch Beiträge für andere antinazistische Publikationen, wie z.B. ‚Het Filter’ (‚Der Filter’), das monatliche Presseorgan der ‚Stichting Nederlandsche Jongeren Pers-Comissie’ (‚Stiftung Niederländische Jugendpresse- Kommission’). Die Zeitschrift wurde verbreitet unter den Führungsmitgliedern der wichtigsten politischen Jugendorganisationen der Niederlande. Der Vorsitzende von diesem ‚Jugendpressekomitee’ (Jongerenperscomite’) war Piet Brijnen, der die Aufklärung besorgte für die Bewegung ‚Einheit durch Demokratie’ (‚Eenheid door Democratie’). Diese Bewegung war 1935 gegründet worden, um das niederländische Volk gegen den Faschismus und Kommunismus wehrbar zu machen. Brijnen, der über sein eigenes Nachrichtennetzwerk verfügte, war von van Blankenstein als Informant des britischen Nachrichtendienstes angeworben worden.”

Eine Besonderheit der Widerstandsgruppe um die "Kameradschaft" lag darin, dass diese - anders als viele andere Gruppen in der Emigration - die deutsche Jugend nicht als "geborene" Anhänger der HJ und NS ansahen, sondern als Kraft, aus der sich eine zunehmende Opposition gegen den NS- Staat herausbilden werde. Die Gruppe um die "Kameradschaft" vertrat - anders als viele andere - eindeutig die Überzeugung, dass jedes internationale Abkommen mit Hitler unmöglich sei. Ein Krieg mit dem NS-Staat sei unvermeidbar und daher die Zusammenarbeit der deutschen NS-Gegner mit den "Feindmächten" notwendig.

 Bei mehreren Reisen nach Großbritanien - mit Antonia Verhagen bzw. Hans Ebeling - knüpfte Theo. Kontakte zum englischen katholischen Komitee, arbeitete mit dem antinationalsozialistischen Komitee zusammen, auch durch Verteilung von dessen Werbeschriften, und trat in Verbindung zu Emigranten. Auch über “Plato”, Hans Ebeling, der 1939 nach London geflohen war, bekam er Kontakt zu BBC, Club 43 (der auf Initiative der beiden Kameradschaftsmitglieder Ebeling und Hans Jaeger gegründet worden war) und dem PEN-Club in London. Deutsche Wissenschaftler und Künstler in der Emigration erhielten in diesen Clubs die Chance, über kulturelle und politische Fragen zu diskutieren. Hier wurden Pläne für die Zeit nach der Hitler-Diktatur geschmiedet und Erklärungen der Kriegsgegner aufgesetzt.

Theo und Plato E. hatten auch Kontakte zum Secret Service in London und Amsterdam; die Verbindungen zu den britischen und niederländischen Geheimdiensten bestanden, um gegen das Hitler-Regime und den drohenden Zweiten Weltkrieg vorzugehen.

So sind die Widerstandskreise, die vom Niederrhein ausgingen und Gleichgesinnte in Belgien, den Niederlanden und England fanden, auch frühe Beispiele grenzüberschreitender Solidarität und Völkerverständigung".

Und einmalig ist auf für Hespers und den Kreis um die Kameradschaft, dass hier (vor allem niederländische) Juden und junge Menschen aus der Jugendbewegung gemeinsam gegen Hitler kämpften.

Bei der Okkupation der Niederlande durch Nazideutschland am 10. Mai 1940 floh Familie Hespers über Den Haag (wo sie von der Kapitulation der Königin hörte), sah auf der Flucht das von deutschen Bomben brennende Rotterdam, und über Rozendal und Vlissingen ging es nach Dünkirchen. Der englische Hafenkommandant war bereit, Theo. und seinen Freund Max Beretz nach England zu retten, nicht aber die Familien.

Beide Männer blieben, Familie Hespers lebte ab Juni 1940 im Untergrund in Belgien (Halle bei Antwerpen und in einem Waisenhaus in Brüssel).

Im Schlussbericht der Gestapo Berlin vom 30.7.1941 heißt es über Hespers u.a.:

 “Wegen seiner hochverräterischen Bestrebungen wurde Hespers die deutsche Reichsangehörigkeit am 1. Februar 1937 aberkannt. Am 31. Mai 1935 war er bereits zur Festnahme ausgeschrieben worden. Später wandte er sich der “Deutschen Jugendfront” zu und setzte offensichtlich für deren Bestrebungen seine ganze Tätigkeit ein. Er wurde neben Dr. Ebeling der aktivste Mitarbeiter an dieser hochverräterischen Organisation. Erstmalig trat er in dieser Hinsicht im Jahre 1937 in Erscheinung, als zum 17. und 18. Juli 1937 von Dr. Ebeling eine Tagung der ‚Arbeitsgemeinschaft bündischer Jugend’ nach Brüssel einberufen worden war, deren Zweck die Bildung der ‚Deutschen Jugendfront’ unter Einschluß aller kommunistischen, sozialistischen, religiösen und nationalen Kräfte der Jugendarbeit war. Hespers nahm hieran als Vertreter der katholischen Jugend teil und hielt am 18. Juli 1937 vor den Teilnehmern ein Referat über das Thema ‚Die Lage der bündischen Jugend unter besonderer Berücksichtigung der katholischen Jugend’. Seitdem hat er sich für die Organisation und die Erreichung der Ziele der ‚Deutschen Jugendfront’ unentwegt eingesetzt.  Seine Hauptaufgaben waren folgende:

  1. Die Herausgabe der Hetzschrift ‚Kameradschaft’. Hierfür hatte er alle redaktionellen Arbeiten zu erledigen, wie z.B. die Beschaffung der einzelnen Artikel, ihre Zusammenstellung für die einzelnen Ausgaben der ‚Kameradschaft’, die Heranziehung von Mitarbeitern usw. Außerdem hat er einen großen Teil der in der Kameradschaft veröffentlichten Artikel selbst verfasst...
  2. Verbindungsmann zu den Gruppen der ‚Deutschen Jugendfront’ in Frankreich und Belgien.
  3. Verbindungsmann zu katholischen Oppositionsgruppen im Reich. Offensichtlich war es überhaupt seine Aufgabe, sämtliche Verbindungen nach dem Reich aufrechtzuerhalten. Über die Art dieser Tätigkeit konnten nähere Einzelheiten nicht festgestellt werden. Es ist nur bekannt, dass er des öfteren Besuch von Personen aus dem Reich empfing, darunter auch von einem katholischen Pfarrer in Deutschland.
  4. Bearbeitung von Artikeln für die Hetzschrift ‚Sonderinfomationen’.”

Als Theo Hespers am 10. Februar 1942 mit falschen Papieren im Rathaus Antwerpen Lebensmittelmarken für seine Familie abholen wollte, wurde er von der Gestapo verhaftet, über das Marinegefängnis Wilhelmshaven nach Berlin gebracht (Gefängnis Prinz-Albrecht-Straße 8, zuletzt nach Moabit) und von September 1942 bis Juli 1943 immer wieder grausam verhört, da die Ermittler Namen seiner Freunde aus dem Widerstand erpressen wollten. (Seine ebenfalls verhaftete Frau Käthe wurde bis zum 14.11.1942 im Frauengefängnis Vechta inhaftiert). 

Von zermürbenden Verhören, Folterhaft und der Sorge um seine Frau und seinen Sohn deprimiert schrieb der Widerstandskämpfer alle 14 Tage an seine Mutter in Jüchen. Aus den - häufig zensierten - Briefen scheint seine Geborgenheit im Glauben immer wieder durch und sein Eingewurzeltsein in katholische Traditionen, die ihn trugen. Ich kann nur wenige Auszüge zitieren:

In einem auf den 21.1.42 zurückdatierten Brief heißt es: "Für Deine und anderer lieben Menschen Gebete bin ich immer sehr dankbar. Es stärkt mich immer, wenn ich weiß, dass man meiner gedenkt. An Gott macht mich nichts irre. Im Gegenteil versuche ich mir jetzt eine tiefere Vorstellung von diesem höchsten Geheimnis zu machen, das wir wohl niemals ergründen werden...
Die Fehler der Menschen können mich nicht am Göttlichen irre machen. Wohl sehe ich eine Tragik darin, dass man leiden muß dafür, daß man das Beste gewollt hat, weil die tieferen Beweggründe seiner Handlungen nicht verstanden werden. Aber das ist wohl so, solange die Welt nach menschlichen Gesetzen regiert wird, und dann ist es für einen Christen das Beste, nur durch Selbsterziehung und Dienst an der Gemeinschaft in Pflichterfüllung die Verhält-nisse zu bessern."

16.7.42: "Ich habe inzwischen das Matthäus-Evangelium durchgelesen. Es fällt mir schwer, trotz aller Wahrheit, die es ausstrahlt, weil diese Frohbotschaft ja für die Lebenden geschrieben ist und gerade die Tat fordert." Und am Schluß dieses Briefes schreibt Vater an mich: "Der Sommer ist ja so schön für Dich zum spielen in der Natur. Wie gerne würde Vater noch bei Dir sein und mit Dir durch die schöne Welt wandern, was er immer so gerne getan hat und Dein liebes Mütterchen dazu. Nun wirst Du mit anderen lieben Menschen zusammensein müssen und sei froh, daß Du es so gut hast. Schreibe mir mal ehrlich, wie es Dir geht. Bete recht innig zu Gott, daß er Dich und Vater und Mutter beschirmt."

6.8.1942: "Aber leider ist ja meine Aussicht so ernst, daß daran wohl nicht zu zweifeln ist, auch wenn Willi" - sein priesterlicher Bruder - "glaubt, dass ich begründete Hoffnung haben dürfte...In Wirklichkeit habe ich Christentum und Kirche immer sehr ernst genommen und mich ernsthaft dafür eingesetzt. Ja, das ist ja ursprünglich die Triebfeder zu allem gewesen, daß ich die sozialen Forderungen Christi verwirklichen wollte....Verzeihe mir liebste Mutter, daß ich Dir soviel Schmerzen mit meinem Schicksal bereite. Aber einmalwird es ja überstanden sein. Ich hatte mir so viel Hoffnungen vom Leben gemacht, soviel Gutes und Schönes wollte ich nach dieser schweren Zeit mithelfen und endlich mal wieder ein voller Mensch sein können.”

 13.8.1942: "Glaubt nicht, dass ich die Macht des Gebetes, die Allmacht Gottes unterschätze. Aber ach, der Mensch hat ja dem Walten Gottes selbst Grenzen gesetzt. Das ist ja das tragische, daß der Mensch dem Menschen nicht mehr Bruder sein kann. Doch bitte ich weiter um Euer Gebet für mich, daß Gott mich stärke...." Und im gleichen Brief schreibt er indirekt an seine ebenfalls inhaftierte Frau: "Ich wünsche ihr alles, alles Gute für ihr ferneres Leben, dass Dieter und sie, meine liebsten Menschen, einander eine Stütze sein mögen. Sie möge sich meinetwegen keinerlei Vorwürfe machen. Ich bitte sie für alles um Verzeihung und hoffe, daß Gott mir gnädig sei und uns einst wieder nach diesem Leben vereinige. Aber Gottes Wege sind unerforschlich, vielleicht gäbe es noch eine Hoffnung durch göttliche oder menschliche Gnade. Sie möge jetzt nicht den Mut verlieren, sondern daran denken, daß sie für Dieter sich gesund halten muß. Es kämen für sie ja auch wieder bessere Tage.... Ich habe immer einfach gelebt und alles geschätzt, aber jetzt würdigt man jede Gabe zunehmend mehr. Was seid ihr glückliche Menschen und wisst es vielleicht nicht! Dankt Gott für jede Speise, die er Euch schenkt! Für mich gibt es nur noch die Reue, vergebens gelebt zu haben und der Werte des täglichen Lebens nicht teilhaftig sein zu dürfen. Aber einmal wird ja alles vorbei sein und auch für mich Friede sein. Ihr werdet, hoffe ich, noch einmal die neue schöne Zeit erleben, nach der ich mich immer sehnte, in einem glücklichen Volk, friedlich, gesättigt und froh leben. Ich wünsche es allen Menschen!"

21.8.1942: "Auf Gott will ich sicher vertrauen, aber die Wirklichkeit kann ich dabei nicht aus den Augen verlieren und diese ist unausweichbar."

26.11.1942: "Nun kommt auch das Nikolausfest bald heran, das ich immer so gerne gefeiert habe. Nun werde ich es nicht mehr feiern können. Aber es freute mich, wenn Dieter es froh erlebt."

10.12.1942: "Das Nikolausfest war diesmal für mich eine Erinnerung an vergangene schöne Festtage. Meinen Geburtstag werde ich in diesen Tagen ebenfalls ohne einen lieben Menschen begehen müssen.Und bald kommt nun das Weihnachtsfest, das für mich immer von Jugend an bis heute der Inbegriff aller Feste, aller gemeinschaftlichen Freude, des sich einander Beschenkens, der Liebe und des Friedens gewesen. Möge die Botschaft der Christnacht immer wieder Wahrheit werden, allen die guten Willens sind, Friede auf Erden! So wünsche ich Euch denn jetzt schon eine gnadenreiche, frohe Weihnacht, Euch allen, liebe Mutter, liebe Geschwister und allen lieben Verwandten und Bekannten. Wir wollen zum Kind in der Krippe gehen im Geiste und bitten, daß wir alle zusammen noch einmal eine frohe Weihnacht feiern dürfen. Vielleicht wird auch Käthe und Dieter einen der Feiertage mit Euch verbringen können. Ihr werdet dann im Geiste bei mir sein."

Und am 10.6.1943 aus dem Gefängnis Moabit: "Trotz allem will ich hoffen und glauben, daß Gott mir beisteht. Heute war für mich ein hoher Festtag. Nach langer Zeit habe ich wieder einmal die hl. Kommunion empfangen dürfen, allein, in meiner Zelle. Ich bin froh und dankbar für diese Gnade. Der Gefängnisgeistliche hat mich einige Male bereits besucht, aber leider hat er ja auch nur wenig Zeit. Aber man freut sich, einen guten Menschen ab und zu sprechen zu dürfen, der gute Worte für einen hat...Nun ist in den nächsten Tagen Pfingsten. Ich wünsche, daß Ihr alle ein frohes Pfingstfest habt. Möge der heilige Geist uns allen sein Licht und der ganzen Menschheit das Feuer seiner Liebe schenken, die uns allen so not tut!" 

Im Sommer 1943 durfte der Sohn Dieter Hespers mit seiner Tante Berta seinen Vater noch einmal im Gefängnis besuchen. Theo. war damals schon über ein Jahr in einer sehr kleinen Zelle eingesperrt. Der vor seiner Verhaftung stattliche Mann wog nur noch 45 Kilo. Seine kräftigen braun-blonden Haare waren ergraut, aber innerlich war er ungebrochen. Seine Augen leuchteten seinem Sohn zu, als er rief: “Dirk, hoe gaat het mit je?”. Da schrie Wachhabende ihn an: “In Deutschland wird nur Deutsch gesprochen!” Der Vater beschwor seinen Jungen: “Wenn die mich morgen umbringen, sorg für deine Mutter – und sag den Freunden: Ich habe keinen verraten!”

Die über 100 Seiten Protokolle des “Ermittlungsverfahrens” gegen den Inhaftierten aus der Zeit vom Juni 1942 bis April 1943 enthalten viele aufschlussreiche Einzelheiten über den Widerstandskämpfer und machen deutlich, wie er durch geschickte Formulierungen und Gedächtnislücken die anderen schützt. (Diese Protokolle wie auch die Anklageschrift sind erst zugänglich, seit die Akten über das Archiv des Staatssicherheitsdienstes der DDR dem Bundesarchiv zugingen).

Erst unmittelbar vor Einlieferung in das Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit am 13.4.1943 erhielt Theo Hespers den “Haftbefehl vom Ermittlungsrichter des Volksgerichtshofes”.

Die 32-seitige Anklageschrift des Oberreichsanwaltes beim Volksgerichtshof vom 30. Mai 1943 führt als Zeugen nur drei Kriminalbeamte sowie einen Maurer aus Herkenbosch und einen Elektriker aus Düsseldorf an.

Hier nur wenige Auszüge aus der Anklageschrift: Zu Heft 12 der “Kameradschaft” vom Dezember 1938 heißt es: “In den einleitenden Sätzen dieser Abhandlung wird erklärt, dass die folgende Veröffentlichung einen Aufruf junger katholischer Deutscher wiedergebe, der in seinen Grundgedanken ‚weitgehend mit dem Wollen auch der nichtkatholischen Generation übereinstimme’ und dem daher programmatische Bedeutung zukomme. In dem anschließenden Hauptteil der Abhandlung wird sodann unter anderem ausgeführt:

    ‚Schwer lastet das Joch der Gewaltherrschaft auf Deutschland. Das deutsche Volk ist durch das totalitäre Hitlersystem seiner Freiheit beraubt, rechtlos und unterdrückt...Durch ihre imperialistische Machtpolitik droht die Hitlerregierung, das deutsche Volk in den Krieg zu stürzen und somit seinen Untergang herbeizuführen. Jeder, der an den Ewigkeitswert des Menschen glaubt und dem das deutsche Volk und seine christliche Kultur lieb sind, fühlt die Verpflichtung, die heute über Deutschland herrschenden Gewalthaber abzulehnen und sich für deren Überwindung einzusetzen. Als junge katholische Deutsche fühlen wir uns darum auch auf Grund des durch das Christentum geheiligten Naturrechtes verpflichtet, für den Sturz des Hitlerregimes  zu kämpfen.’”

    “Die Zeitschriften ‚Kameradschaft’ und ‚Sonderinformationen’ wurden zuerst in Brüssel und später in Amsterdam gedruckt und von hier aus an die Einzel- und Sammelbezieher, zu denen insbesondere auch Emigrantengruppen in anderen europäischen und überseeischen Ländern gehörten, sowie ferner an den Zeitschriftenhandel versandt. Die Auflagen der ‚Kameradschaft’ betrugen anfangs etwa 600 und später etwa 2000 Stücke. Von dem Heft 8/9 vom Juli/August 1938 wurden auf Grund einer Vereinbarung zwischen Ebeling und dem damaligen tschechischen Presseattaché in den Niederlanden Erban zum Zwecke der Versendung an Jugendverbände und Einzelpersonen in der Tschecho-Slowakei auf Kosten des Erban 1000 Stücke mehr als üblich hergestellt.” “Im Jahre 1937 nahm der Angeschuldigte unter anderem an der Konferenz in Brüssel teil und hielt dort einen Vortrag über ‚die Lage der katholischen Jugend, insbesondere der katholischen bündischen Jugend, in Deutschland und in der Emigration’. Dabei wies er auf die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen der katholischen Jugend und der übrigen bündischen Jugend in der Emigration hin. Weiter berichtete er über angebliche Zwischenfälle zwischen Angehörigen der katholischen Jugend und der Hitler-Jugend sowie über Unregelmäßigkeiten, die sich in der deutschen Wehrmacht anlässlich der Einführung der zweijährigen Dienstzeit ereignet haben sollten. Die Unterlagen für diese Greuelnachrichten will er in der Hauptsache von jungen katholischen Emigranten erhalten haben, mit denen er durch seine Tätigkeit im katholischen Flüchtlingskomitee in Utrecht in Berührung gekommen war.

    “Ferner wirkte der Angeschuldigte bei den Besprechungen mit niederländischen Jugendführern mit, die in der zweiten Hälfte des Jahres 1937 in Utrecht stattfanden und zur Gründung eines Unterstützungskomitees unter der Leitung des niederländischen Staatsangehörigen Brijen führten.

    Ende Juli 1937 besuchten der Angeschuldigte und Ebeling weiter das damals in Vogelsang bei Amsterdam veranstaltete Welttreffen der Internationalen Pfadfinder-Bünde (‚Jamboree’) und führten dort mit dem ungarischen Vertreter und stellvertretenden Vorsitzenden des ‚Internationalen Büros’ in London, Graf Teleki, Verhandlungen, die darauf abzielten, sich für den von ihnen erstrebten Zusammenschluß der in den einzelnen europäischen Ländern lebenden jungen deutschen Emigranten die Unterstützung des ‚Internationalen Büros der Pfadfinder-Bünde’ zu sichern und dessen Anerkennung als deutsche Sektion zu erlangen.”

    “3) Die Mitwirkung des Angeschuldigten bei der Herstellung und Verbreitung der Zeitschriften des Kameradschaftskreises.”

    Die Anklageschrift zitiert dann ausführlich Theos Artikel in den verschiedenen Ausgaben der “Kameradschaft”. Ich lese hier nur vor:

    Zitat: “Heft 8/9 vom Juli/August 1938: Für dieses Heft, das zur Verbreitung in der damaligen Tschecho-Slowakei bestimmt war, verfasste der Angeklagte den Aufsatz ‚Zur großdeutschen Idee’, in dem die großdeutsche Zielsetzung des Nationalsozialismus als reine Macht- und Eroberungspolitik hingestellt wird und die Sudetendeutschen gewarnt werden, den Anschluß an das Reich zu vollziehen, solange dort der National-Sozialismus herrsche. Ferner veröffentlichte er in diesemHeft den ihm angeblich von einem Mitglied der deutschen ‚Quickborn’-Gruppe in Ostoberschlesien zugesandten ‚Brief an einen Staffel-steiner’, der ebenfalls scharfe Angriffe gegen den Nationalsozialismus enthält.

    Heft 3 vom März 1939: ‚Nationalsozialistische Jugenderziehung’. In dieser Abhandlung übt der Angeschuldigte an er nationalsozialistischen Erziehungs- und Schulpolitik Kritik. Er schließt mit dem Wunsch, dass die deutsche Jugend ‚den ihr vom Nationalsozialismus zugedachten Weg nicht zu Ende gehen’ möge.

    Für die ‚Sonderinformationen deutscher Jugend’ verfasste der Angeschuldigte folgende Abhandlungen: In Nr. 1 vom Oktober 1939 den Aufsatz ‚Die katholische Jugend’ sowie die unter der Überschrift ‚Gesetzliche Maßnahmen speziell gegen die konfessionelle Jugend’ enthaltenen Ausführungen, soweit sie die katholische Jugend betreffen, in Nr. 6 vom April 1938 den Aufsatz ‚Maßnahmen gegen die konfessionelle Jugend’.

    In diesen Abhandlungen greift der Angeschuldigte in hetzerischer Form die staatlichen Maßnahmen gegen die konfessionelle Jugend im Reich an. Außerdem gibt er in dem zuletzt genannten Aufsatz Greuelnachrichten über angebliche Vorkommnisse beim Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich wieder.”

Der “Prozess” gegen Hespers vor dem 5. Senat des Volksgerichtshofes in Berlin war eine Farce: Der Anwalt legte sein Mandat nieder, weil er keinen “Landesverräter” verteidigen wollte, und das Ergebnis Tod durch Erhängen stand schon vor Prozessbeginn fest. Der Volksgerichtshof verurteilte H. dann am 22. Juli 1943 wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Landesverrat zum Tode; ein Gnadengesuch der Familie an den aus Rheydt stammen-den Dr. Joseph Goebbels blieb unbeachtet. Vor 60 Jahren, am 9. September 1943 wurde Theo Hespers - mit 250 anderen Opfern – in der "Garage" in Berlin-Plötzensee gehängt. Wie Gefängnispfarrer Peter Buchholz berichtete, waren die letzten Worte von Theo: "Ich opfere Gott mein Leben für das deutsche Volk!" Die Leiche wurde verbrannt, seine Asche in alle Winde zerstreut, um "keine Märtyrer zu schaffen", wie ein Gestapo-Beamter Theos Schwester gestand.

Lutz Lemhöfer, Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Theo-Hespers-Stiftung in Mönchengladbach, fragte in einer Gedächtnissendung 1981:

“Was ist aus Theo Hespers und seinen Ideen geworden? Ganz leicht ist das nicht zu sagen, denn ein detailliertes politisches Programm hat er nicht hinterlassen; die Zeit des Widerstandes kannte nur grobe Pläne für die Zukunft: Ein freies, ein rechtstaatliches, ein demokratisches Deutschland sollte es sein mit einem starken sozialistischen Einschlag: eine Bodenreform war ebenso vorgesehen wie die Verstaatlichung der Schwerindustrie.

Insgesamt ähneln die Vorstellungen der ‚Kameradschaft’ am ehesten dem ‚linken’ Ahlener Programm der CDU von 1947. Deutlicher jedoch als die Programmatik ist das leidenschaftliche Verlangen nach Erneuerung, nach einer ‚vollständigen Neuordnung der Gesellschaft, des Staates und der Wirtschaft’.”

Prof. Arno Klönne, ebenfalls Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Theo-Hespers-Stiftung, schreibt in seinem Nachwort zu dem für 2003 geplanten Buch von Dirk Hespers “ROT MOF – Fragmente aus einer braunen Zeit u.a.:

Nach der Niederlage Hitlerdeutschlands im Jahre 1945, der Besetzung durch die Alliierten und der Gründung der beiden deutschen Teilstaaten im Jahre 1949 hat es lange Zeit gebraucht, bis der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in seiner Vielfalt und in seinem historischen Rang in der deutschen Öffentlichkeit bekannt gemacht und anerkannt wurde. Vielen Deutschen, auch manchen Nachkriegspolitikern oder Repräsentanten der Wissenschaft und der Kirche, war es gar nicht angenehm, durch eine Erinnerung an die deutschen Gegner des Naziregimes auf eigene Versäumnisse und Fehlwege in der Zeit um und nach 1933 verwiesen zu werden. Da war es bequem, über diejenigen, die frühzeitig vor den katstrophalen Folgen der ‚nationalen Revolution’ gewarnt hatten, möglichst wenig zu wissen, zu sagen oder zu publizieren: dies diente der eigenen Entlastung. ‚Organisiertes Vergessen’ dieser Art traf auch den Lebensweg von Theo Hespers. In mehrfacher Hinsicht hatten die Meinungsmacher es hier mit einer höchst unbequemen Widerstandsbiographie zu tun. Da war ein Mann, der längst vor dem Jahre 1939 in aller Deutlichkeit herausgestellt hatte: Hitler bedeutet Krieg – und der keinen Zweifel daran gelassen hatte: Wer dem Hitlerregime ein Ende machen will, muss etwas für die militärische Niederlage Hitlerdeutschlands tun: Da war ein Katholik, der sich nicht auf die opportunistische Ergebenheitshaltung gegenüber einer angeblich rechtmäßigen Staatsgewalt einließ, wie sie manche Kirchenfürsten übten. Und da war ein Linker, der auch im westlichen Exil kapitalismuskritisch bleib, aber sich nicht scheute, auch die Machenschaften des sowjetischen Staates unter Kritik zu stellen. Und schließlich: Da war ein politisch handelnder Mensch, der – nicht zuletzt aus seiner Erfahrung von Jugendbewegung her geprägt – Politik nicht als Sache dieser oder jener Obrigkeit, sondern als Aufgabe demokratischer Bewegungen ‚von unten’ begriff. Kein Wunder also, dass Theo Hespers den Machtstrategen in der deutschen Gesellschaft nach 1945, welcher politischen Farbe auch immer, ‚zur Traditionspflege nicht geeignet’ erschien.

Der “Widerstand aus Glauben” des Theo Hespers, sein Einsatz für Freiheit, soziale Gerechtigkeit, Frieden und Selbstbestimmung der Völker mit allen Konsequenzen bis zum Märtyrertod, ist Vorbild und Verpflichtung. Aus seinen Wurzeln in Mönchengladbach, in seinem christlichen Glauben und seiner sozialen Verpflichtung und in der bündischen Jugend hat Theo Hespers Zeichen gesetzt, die auch jungen Menschen heute Maßstäbe geben können.

 Die Stadt Mönchengladbach und die Theo-Hespers-Stiftung werden am Dienstag, dem 9. September 2003, dem 60. Todestag von Theo Hespers, auf dem Mönchengladbacher Hauptfriedhof seiner ehrend gedenken, Oberbürgermeisterin Monika Bartsch und Propst Edmund Erlemann werden ein – vorher mit einem Quickbornbanner verhülltes - städtisches Ehrenmal einweihen. Am darauffolgenden Sonntag, dem 14. September, findet um 11.oo Uhr im Münster zu Mönchengladbach ein Gedenkgottesdienst für Theo Hespers statt, gestaltet von Regionaldekan Dr. Albert Damblon, dem Münsterchor und der Theo-Hespers-Stiftung.

An drei Mittwochen, dem 10. und 17. September und dem 10. Dezember, strahlt der Lokalsender 90.1 in Mönchengladbach jeweils um 19.03 Uhr ausfürliche Sendungen über Theo Hespers aus, die von der Theo-Hespers-Stiftung gestaltet werden.

Die Theo-Hespers-Stiftung wurde am 10. Dezember 1993 von Dirk Hespers, dem Sohn des Widerstandskämpfers, gegründet. Vorsitzender ist heute Ferdinand Hoeren (Mönchengladbach), Stellvertretende Vorsitzende Dr. Meinulf Barbers, (Korschenbroich), Jutta Finke-Gödde (Mönchengladbach) und Günter Rombey (Mönchengladbach – Rheydt). Die Stiftung versucht gegen dieses “Organisierte Vergessen” des Widerstands im Westen nach der Befreiung vom Hitlerregime anzugehen, Ziele und Motive der Widerstandskreise um die “Kameradschaft” und die “Deutsche Jugendfront” aufzuarbeiten und bekannt zu machen. Sie verleiht alle ein bis zwei Jahre im Mönchengladbacher Rathaus Abtei die “Theo-Hespers-Plakette” an Persönlichkeiten, die sich für Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit und Frieden eingesetzt haben (zuletzt an Dr. Jochen Vogel vom Verein “Gegen Vergessen – für Demokratie”) und dann an Wolfgang Niedecken – von BAP – die Laudatio hielt hier Martin Stankowski). Die Stiftung macht viele Angebote besonders für junge Leute, erarbeitet Ausstellungen und Dokumentationen; wichtig sind auch die Archiv- und Internetarbeit der Stiftung und ihre Vernetzungen mit anderen Gruppen und Vereinen in der Euregio Rhein-Maas-Nord. Ich selbst bin seit Jahren einer derStellvertretenden Vorsitzenden der Hespers-Stiftung, die in diesem Jahr u.a. ein Symposion zum Thema “Jugend und Gewalt” durchgeführt hat und ein weiteres zweitägiges Symposion um den 12. Dezember (100. Geburtstag von Theo Hespers) geplant hat. Ein früheres Symposion hatte z.B. das Thema “So hatten sie Deutschland neu gedacht – und das haben wir daraus gemacht”. Zukunftsvorstellungen aus dem Widerstand für eine Zeit nach Hitler (so von Theo Hespers, Max Joseph Metzger, Kreisauer Kreis, Weiße Rose, 20. Juli, Rote Kapelle) wurden ausführlich erörtert und mit der Realität der letzten Jahrzehnte konfrontiert.

 

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