Silvestertagung des Quickborn-Arbeitskreis auf Burg Rothenfels 28. Dezember 2009 - 4. Januar 2010

Logotherapie und Existenzanalyse – ein Weg der Sinnsuche für ein wertvolles Leben

So stand es in den Ankündigungen der Tagung, das Thema von den Teilnehmern der vorletzten Tagung ausgewählt und vom Team wie immer kompetent und zuverlässig vorbereitet. Von der Frage „Was ist der Mensch?“ (das Menschenbild in der Logotherapie und Existenzanalyse des Viktor Frankl) über „Wozu lebt der Mensch?“ (die primäre Motivation des Menschen ist sein Wille zur Sinnerfüllung), „Wie erfüllt der Mensch Sinn“? ( ..über die Verwirklichung von Werten), „Was hindert den Menschen daran, Sinn zu erfüllen“? (Menschen kommen nicht oder nur eingeschränkt zur Sinnerfüllung, wenn sie in ihren Grundmotivationen blockiert sind) zu „Was hilft dem Menschen, den Sinn zu finden“? (das Gewissen ist das Sinnorgan des Menschen) lockte die Referentin, Frau Dankowski, mehr als 14 Jahre evangelische Pfarrerin, jetzt in diesem Beruf beurlaubt und als Psychotherapeutin tätig, eine große und auch über die Tage nicht abnehmende Gruppe von Zuhörern zu ihren morgendlichen Vorträgen. Jung bis Alt fand hier ebenso wie in den anschließenden Gesprächskreisen offensichtlich viel Gefallen. Fragen aus den Diskussions- oder methodischen Gesprächskreisen wurden in den Abendplenen ausführlich beantwortet.

Weiterer wesentlicher Bestandteil des Tages waren die bis auf eine Ausnahme täglichen Gottesdienste, in der Mehrzahl Wortgottesdienste, eigenständig und in unterschiedlicher Zusammensetzung von TeilnehmerInnen als Familien-, Kinder- oder Jugendgottesdienste gestaltet. Musikalisch hervorragend von verschiedenen Dirigenten zu Höchstleistungen gebrachte, überwiegend junge und jugendliche Instrumentalisten begleiteten das immer wieder hinreißende Liederprogramm. Die sehr gut lesbaren Textfolien gaben allen sangesfreudigen Gottesdienstbesuchern die Möglichkeit, aus vollem Herzen mit zu singen. Am Neujahrsmorgen feierten wir mit der Referentin und ihrem Ehemann, Herrn Dr. Lindenlauf, auch evangelischer Pfarrer, einen Abendmahlsgottesdienst. Zur Teilnahme waren alle eingeladen, entsprechend dem Selbstverständnis des Quickborn- Arbeitskreis „ erproben wir in unseren Eucharistiefeiern die eucharistische Gastfreundschaft“, nur dieses Mal mit „umgekehrtem Vorzeichen“. Als der Pfarrer aufforderte, sich den Friedensgruß zu geben, fiel mir siedendheiß ein, dass wir bei der Vorbesprechung vergessen hatten, den in unserem Kreis „Neuen“ vom überbordenden Ausmaß des Friedensgrußes während der Silvestertagung zu berichten. Aber gemäß dem Grundsatz „sehen- urteilen- handeln“ machte das Ehepaar rasch mit. Als nach Abschluss des Gottesdienstes nach 90 Minuten(!!) der begeisterte Dirigent seiner Freude mit einem noch einmal angestimmten „Heilig- heilig- heilig“ Ausdruck gab, konnte sich keiner der Teilnehmer dieser Freude entziehen, alles sang, klatschte, die Begeisterung leuchtete aus allen Gesichtern, und auch die beiden Pfarrer, äußerlich eher streng und asketisch wirkend, konnte sich dem nicht entziehen und taten mit. Das frühe Morgenlob stimmte in den Tag ein, die Abendmeditation beendete das „offizielle“ Programm. Beide waren in den Formen sehr vielfältig, mit unterschiedlichsten Elementen gestaltet und gut besucht. Besonders hervorgehoben waren der erste, der Silvester- und der Abschlussabend. Am Anreiseabend ergötzte uns nach der Vorstellung des Teams und einer ersten kurzen Einführung der Referentin ein kurzweiliges Spiel, bei dem durch Unterschriften Menschen gefunden werden mussten, die während der Silvesterwoche Geburtstag hatten; deren Vornamen mit „J“ anfing; die zum ersten Mal an der Tagung teilnahmen; die einen weiteren Weg als 500km angereist waren etc. Ein Teil der Neuen wurde dadurch rasch bekannt. Über den Silvesterabend schrieb Dorothea Zorn: Mit unseren 5 Sinnen ging es in einen heiteren Abend: erschmeckt wurden die Farben der Gummibären, gerochen das Weibliche im Mann, ertastet die Männlichkeit von Scheitel bis Sohle, Rumpelstilzchen im lautesten Geschrei erhört und unser Auge für die kleinste Veränderung wachsam gemacht. …ein Hoch auf die Moderatoren Jeanette alias Markus Lehmann und Thomas alias Sabrina Skorski! Der Abschlussabend war von einem Team hervorragend organisiert. Chöre wechselten mit Tanzvorführungen, Improvisationstheater und der Einlösung des Gewinnes vom Silvesterabend. Besonders erwähnen möchte ich die Vorführung der Gitarrenanfänger. Diese brachten uns das Lied „Über den Wolken“ von Reinhard Mey zu Gehör. Toll, was diese Gruppe in den wenigen Übungsstunden erarbeitet hatte. (Lästerzungen behaupten zwar, dass man deutlich merkte, dass Jo die Gruppe geleitet hatte. Sie spielten so langsam, dass nur ein Beamter es eingeübt haben konnte.). So schrieb Stephan Weisz in seinem Tagesbericht. Nicht unerwähnt bleiben dürfen die ausgezeichnete Kinderbetreuung, die den jungen Eltern die Teilnahme an den Vorträgen und Gruppen ermöglichte. In unterschiedlichen Altersgruppen zuverlässig und liebevoll betreut fanden sich alle Kinder immer wieder ein. Am Nachmittag konnte man oder frau wie immer wandern, in den verschiedenen Kreativkreisen tätig werden, sich im Café mit Waffeln, heißen Kirschen und Sahne verwöhnen lassen oder den im Fahrrad- oder Weinkeller allabendlich oder nächtlich versäumten Schlaf nachzuholen versuchen. Wie immer schieden wir am Abschiedsgottesdienst mit feuchten Augen beim Refrain des Liedes „Möge die Straße…“: Und bis wir uns wieder sehen, halte Gott Dich fest in seiner Hand.

Ich bin dankbar für diese guten Tage in einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten, träume von einem neuen Zusammensein am Ende des Jahres und reiche meinen Dank für die Vorbereitung, Durchführung und Nacharbeit an das Team, das die Tagung fest, dabei aber meist unsichtbar in der Hand hatte.

Karin Römisch